Wales 2009

 




05.05.2009 (Lengerich - Frankfurt - London - Cardiff)
Meine Planung war gut und bereits um 5:47 h saß ich im Auto auf dem Weg nach Ffm-Airport. Sehr viele Baustellen unterwegs, sowie vor Ffm die Rushhour, waren ein wenig hinderlich, aber Punkt 9 h war ich im Parkhaus unter Terminal 2. British Airways hat sich mal wieder was Neues einfallen lassen, aufgrund einer vorab per Mail erhaltenen ID muss man sich die Bordkarte jetzt selbst ausdrucken, bevor man zum Schalter für die Gepäckaufgabe geht. Durch die Passkontrolle und danach erst mal mittels Kaffee die mitgenommenen Stullen verdrückt. Die Sicherheitskontrolle war längst nicht mehr so streng wie schon mal gehabt, also auch kein Problem. Im Wartebereich erst mal Augenpflege gemacht mit Walkman auf den Ohren. Punkt 11:20 h war roll on für BA 0903, Boing 767. Vor allem nur gut halb voll und meine Reihe mit Fensterplatz war für mich alleine. Den Snack unterwegs konnte man getrost vergessen. In Heathrow hat British Airways das neue Terminal 5 ganz für sich alleine und auch dort waren wir mit 12 h Ortszeit Ankunft auf die Minute pünktlich. Moderne vom Feinsten, Gepäck war auch schon da.

Der Weg zum Bussteig 19 für die Car rentals zog sich ellenlang und der Bus von
Hertz ließ auf sich warten. Der bestellte Ford Fiesta war nicht da, daher kostenlos einen Ford Focus bekommen. Wie viel der jetzt mehr an Sprit säuft, das weiß ich noch nicht so genau. Jedenfalls erst die nicht notierten Kratzer noch festhalten lassen und dann das gute Teil, in nachtblau, beladen. Der Kofferraum ist für meine einzige Tasche natürlich riesig. Rucksack auf den Rücksitz, Navi gefüttert, Sonnenbrille auf (es waren satte 19 Grad bei Ankunft) und los ging es. Sogar das Schalten ging ganz prima und Blinker/Scheibenwischer sind nicht mehr zu uns seitenverkehrt, das hilft schon enorm. Zum Glück und zusätzlich zum Navi ist die M 4 bereits ab Heathrow super beschildert. Mit 33004 Meilen auf dem Tacho nach rund 247 km (139 Meilen) gegen 16 h in Cardiff aufgeschlagen. Unterwegs hat mich das Navi raschelig gemacht, dachte erst, es wäre das Auto, was komische Geräusche machte. Aber das Navi warnt tatsächlich bei jeder Geschwindigkeitsüberschreitung und auch bei Blitzgeräten, weil die alle fest installiert sind. Muss jetzt nur noch schauen, ob ich das abstellen kann, das geht mir auf den Senkel. Leider ist die St. Mary Street für Autos gesperrt, aber ein Parkhaus ist ganz in der Nähe. Bis in die 5. Etage durfte ich mich auf der wirklich engen Auffahrt nach oben quälen. Genauso wie im Hotel die Stiegen hoch bis in den 4. Stock, leider kein Aufzug. Zimmer ist okay, klein aber fein, Frühstück im Preis enthalten, mal sehen. 

In Anbetracht der Uhrzeit sofort wieder auf die Socken gemacht Richtung
 Cardiff Castle, das hat auch wie Kalkriese in diesem Jahr 2000 Jahre hinter sich, auch hier waren es die Römer. Wusste gar nicht, dass die bis Wales gekommen sind. Einkaufen musste ich auch noch, mit Blick auf die Uhr wurde es eilig. Anders als bei uns schließt hier bereits alles um 17:30 h bzw. 18 h, einen großen Supermarkt auf der grünen Wiese mit längeren Öffnungszeiten habe ich nicht gefunden, kommt noch. Abendessen im Lokal werde ich wohl nur am 8. machen, ansonsten ist Selbstversorgung angesagt. Wasser, Obst, Käse (Brot von zu Hause) und für den Abend 2 Brötchen, sogar Vollkorn!!!! sowie als Belag Corned Beef, dazu Kaffee und einen Marzipanriegel. Das Ganze gekrönt mit einem südafrikanischen Shiraz. Mir reicht es für heute. Temperaturen von 8 Grad in D bis hier schwankend von 15 – 19 Grad mit Sonne/Wolkenmix.
Websites:
www.visitcardiff.com
https://www.sandringham-hotel.com/

 Cardiff Castle


06.05.2009 (Cardiff)

Die Nacht war absolut ruhig und friedlich. Die Steppdecke, für angelsächsische Länder dieses Mal nicht der Kampf mit zig Bettlaken usw., war äußerst gemütlich. Einzig mein breites Bett habe ich vermisst. Frühstück gibt es ab halber achte, hatte natürlich halber neune verstanden und den Wecker entsprechend spät gestellt. Apropos Wecker, der nervt mich auch, ist ja ein Funkwecker und findet hier keinen Funk. Wales ist doch nicht am A… der Welt. Das Frühstück ist bei allen meinen walisischen Buchungen im Preis enthalten, entsprechend gespannt war ich. David, Basti’s Hufschmied hatte mich vorgewarnt und er hatte recht. Wer soll das alles essen; und lecker war es. Dazu Kaffee, Tee, O-Saft und Fruchtsalat bis zum Abwinken. Jedenfalls habe ich so richtig in einem full cooked Breakfast geschwelgt.

Pappensatt den Weg zum Auto und los in das Rushhour-Gewühle von Cardiff. Nur meine Planung muss noch etwas besser werden. Hatte eigentlich in Erinnerung, die Orte zu Hause bereits aneinander gereiht zu haben, Pustekuchen, dadurch ein bisschen hin und her gefahren. Das Auto zeigt Meilen, das Navi spricht von km, äußerst verwirrend (1 Meile > 1609 Meter). Jedenfalls war heute Ruinentag, aufgelockert mit einem Garten. In Caerleon (bei den Römern hieß das Quadra Legionum) habe ich mir die Hinterlassenschaften der Römer angeschaut, ein Amphitheater lässt sich noch erahnen. Die Bäder habe ich mir gespart, besser als in Bath sind die hier auch nicht. In Chepstow gab es weitere Ruinen in Form eines Castles, immerhin die älteste erhaltene Steinfestung in Großbritannien und den Bau hat mal wieder William the Conqueror befohlen und zwar bereits 1066. Die gusseiserne Brücke über den River Wye (man beachte die Tidenhübe) stammt aus dem Jahr 1816. Beim Weg zu den Gärten bin ich über einen Tesco-Supermarkt gestolpert und habe mich erst mal für die nächsten Tage versorgt. Vor allem Wasser fehlte. Nächste Station war dann mittels eines Salto rückwärts Dewstow Gardens. Ganz nett angelegt, aber bislang immer noch getoppt von den Gärten in Cornwall. Die Zeit war dort dann auch reif für einen Cappuccino, den aufkommenden Hunger habe ich mit Schwarzbrot, Trauben und Cheddar-Käse bekämpft.

Dem Flusslauf des
Wye folgend, gelangt man nach Tintern. Die Abtei wurde 1131 von Zisterzienser-Mönchen gegründet und wurde bis zur Gründung der anglikanischen Staatskirche unter Heinrich VIII. sehr wohlhabend. Das Kloster wurde zwangsaufgelöst und dem Verfall preisgegeben. Zur Zeit von John ohne Land (Bruder von Richard Löwenherz) war William Marshall, Herzog von Pembroke, einer der eifrigsten Förderer der Abtei. Vier Familienmitglieder wurden hier begraben. Weiter hat es mich weiter dem Wye folgend über Monmouth, Abergavenny nach Crickhowell getrieben. Die dortige Bogenbrücke wurde im 17. Jahrhundert erbaut und heute „quält“ sich der Verkehr mittels Ampelschaltung  einspurig in den Ort, weil die Brücke der einzige Zugang ist. Angesichts der Uhrzeit und „keine Lust“ mehr habe ich mittels Navi den Weg nach Cardiff gesucht. Hatten sich während des Tages Sonne und Wolken abgewechselt, kam nun Regen dazu. Die Temperaturen schwankten zwischen 13 – 17 Grad. Unterwegs hieß es ständigen Wechsel zur Sonnenbrille und zurück. 

Einen Fehlkauf habe ich auch getan und zwar bereits zu Hause, das Autostativ ist nicht so ganz mein Ding. Erstens hält das nur einmal täglich an der Scheibe und dann sieht man nicht, ob der Camcorder aufnimmt oder nicht. Eine Kontrolle ist nur möglich mittels aufgeklapptem Schirm und der ist natürlich auf der falschen Seite. Jedenfalls hat es erst mal ausgedient. Der Focus hat über dem Armaturenbrett eine glatte Ablagefläche, da passt der Camcorder ausgezeichnet hin und ich kann ihn direkt bedienen. Nur auf engen Straßen ist das Fahren auf der linken Seite noch ein Problem, ansonsten hat das Getriebe noch nicht ein einziges Mal protestiert. Einzig der linke Vorderreifen hatte wiederholt Kontakt zu Dingen, die nicht sein sollten. Aber es kann ja nur besser werden.

Websites:
https://www.caerleon.net/intro
https://cadw.gov.wales/splash?orig=/daysout/chepstow-castle
https://www.dewstowgardens.co.uk/
https://www.castlewales.com/tintern.html
https://www.crickhowell.org/

 Chepstow Castle


gußeiserne Brücke über den River Wye

 Tintern Abbey

07.05.2009 (Cardiff - Carmathen)

In der Nacht muss es heftig geregnet haben, die Straßen sehen jedenfalls danach aus. Dadurch ist es nur 10 Grad warm, aber das bei strahlend blauem Himmel. Nochmals gut gefrühstückt und über einen Tankstopp den Weg mittels Navi aus Cardiff Richtung Afan Valley gesucht und gefunden. Auch durch die Sonnenbrille wirken die Hänge mit dem blühenden Ginster wie ein gelber Teppich. Das Afan Valley bietet Wandern pur an, nur waren alle Tracks so lang, dass nicht einer für eine Tour übrig blieb. Da ich meine Unterlagen am Vorabend erst mal in Reihe gebracht habe, lief alles wie an der Schnur ab. Swansea habe ich mir geschenkt, eine sehr große, moderne Stadt mit Hafen und Uni. Aber der Weg zur Gower-Halbinsel führt durch die Stadt. Gower > steile Klippen über endlosen Sandstränden. Die Klippen mit Ginster bewachsen und Schafe, endlos viele Schafe, alle mit Lamm bei Fuß. Apropos Fuß, darunter die Hinterlassenschaften der Schafe, Rinder und weiterer nicht identifizierter Viecher auf meiner fast 2stündigen Wanderung zu den Steilklippen. Oxwich Castle war mein nicht geplanter Anlaufpunkt, um nicht zu sehr aus der Zeit zu laufen. Das Castle, irgendwo in der Mitte des 16. Jahrhunderts erbaut, ist natürlich auch eine Ruine und das bereits beginnend ab 1630 und das nur, weil die Erbauer ein anderes Schloss vorzogen. Die Suche des nächstens Ortes erwies sich als echtes Abenteuer. Irgendwo war ich zu blöde, dem Navi zu folgen und das Ergebnis war eine Querfeldeintour über Wege, die selbst oneway eigentlich zu schmal waren. Gut, dass mir keiner entgegen gekommen ist. Das Ziel war schließlich Carreg Cennen Castle, natürlich auch eine Ruine. Malerisch gelegen auf einem ziemlich hohen Hügel im Breacon Beacons National Park, hat gerade dieser Hügel mich davon abgehalten, diesen zu erklimmen. Es ging einfach nur steil bergauf. Erbaut um 1300, ist es anschließend ein „Opfer“ der Rosenkriege zwischen den Häusern York und Lancaster geworden. Nächstes Ziel sind die Aberglasney Gardens, aber auch die bleiben noch weit hinter den cornischen Gärten zurück.

Mittlerweile bewege ich mich in der Grafschaft Carmarthenshire und fahre gen Carmarthen, immerhin die älteste Stadt in Wales und schon von den Römern als Maridunum gegründet. Der walisische Name Caerfyrddin leitet sich von Myrddin > Merlin ab. Inwieweit es sich dabei um „den“ Merlin handelt, das habe ich nicht raus gekriegt. Mein Hotel „Roses & Crown“ ist ein ur
gemütlicher Pub mit Hotelbetrieb, mein Zimmer in ganz neuem Zustand und mit 50 £ plus 7 £ (pro Nacht natürlich) für ein walisisches Frühstück zumindest auf den ersten Blick nicht überbezahlt.

Nach meinen Berechnungen schluckt das Auto rund 7,2 ltr/100 km, das kann also nur besser werden, je länger ich damit unterwegs bin. Heute gab es Steigungen und Gefälle bis 14 %. Einzig mit dem Rückwärtsgang trage ich meine Kämpfe aus, ansonsten keine Probleme mehr. Bin mal gespannt, was aus den Filmaufnahmen wird, die nach vorne raus aufgenommen wurden. Wie schon berichtet, heute Sonne pur mit erst nachmittags vereinzelt aufziehenden Wolken. Im Binnenland teils starker Wind, Temperaturen von 10 – 17 Grad.

Websites:
https://www.digitaldesk.org/resources/afanvalley/forests.htm
https://www.explore-gower.co.uk
https://cadw.wales.gov.uk/daysout/oxwichcastle/?lang=en
https://carregcennencastle.com/
https://www.aberglasney.org/
https://visit.carmarthenshire.gov.uk/
https://www.roseandcrowncarmarthen.co.uk

 Gower Halbinsel

08.05.2009 >mein Geburtstag (Carmarthen)

In der Nacht waren wieder wahre Wolkenbrüche unterwegs, allerdings mit dem Ergebnis, dass am Morgen erneut purer Sonnenschein geboten wurde. Vorab muss ich sagen, dass der heutige Tag im Ablauf der Sehenswürdigkeiten und der Route erstmal getoppt werden muss, es passte einfach alles. Geschlafen in einem gemütlichen Bett wieder mit  Steppdecke. Im Bad habe ich die Grohe-Armaturen genossen, nicht GB-typisch links kalt und rechts warm und ständig hin und her hüpfen. Das Frühstück war auch genial lecker, konnte aus allen Angeboten 5 Sachen rauspicken. Dann isst man wirklich nur das, was man möchte. Mitleidlos hat Martina mich bereits um kurz nach 6 h Ortszeit aus dem Tiefschlaf geholt, es sei ihr verziehen. Im Laufe des Tages haben mich doch so einige Anrufe und SMS erreicht; abends waren auch noch etliche Emails im Eingang.


Bevor ich das wieder vergesse, seitdem ich unterwegs bin, frage ich mich, wer wohl die endlosen Kilometer von Hecken pflegt und schneidet. Alles sieht so akkurat aus. Wenn ich nur daran denke, was für eine Plage mein Teil zu Hause ist… Die heutige Tour hat mich von Carmarthen zunächst nach Pembroke geführt. Pembroke Castle ist zwar wieder nur Ruine, aber sehr gut erhalten. Erbaut wurde das Schloss von nämlichem William Marshall, siehe dazu meine Anmerkungen bei Tintern. Der erste Tudor-König Heinrich VII wurde hier geboren.

Der Reiseführer pries unendlich die Halbinsel Castlemartin an. „… bietet die Halbinsel mit ihren einzigartigen Klippen, Sandstränden und prähistorischen Sehenswürdigkeiten ein atemberaubendes Naturerlebnis. Die einsame Gegend wird von den Touristen oft zu Unrecht ignoriert. Besonders malerisch zeigt sich der südliche Teil…“

Der Anpreisung bin ich gefolgt und habe es nicht bereut. Wieder eine „Straße“ nur dem Namen nach, an Gegenverkehr mag man gar nicht denken, stellt sich nämlich die Frage, wie man sich am besten in Luft auflöst, denn beamen geht immer noch nicht. In Stackpole Quay habe ich mir eine Wanderkarte besorgt und bekam meine Infos in deutscher Sprache. Der Gute hatte 2 Jahre in München gelebt und seine deutsche Frau eingeführt. Gute 2 Stunden war ich dann unterwegs und habe u.a. Barafundle gefunden, regelmäßig zum schönsten Strand Großbritanniens gewählt. Dem will ich nicht widersprechen. Zurück habe ich mich erst mal über meine Vorräte her gemacht, das Loch im Bauch war einfach zu groß.

Über teils atemberaubende Aussichten führte der Weg nach St. Davids. Der Ort ist die westlichste Stadt in Wales und die kleinste „City“ des Vereinigten Königreichs, die diesen Titel dem Umstand verdankt, dass sie eine Kathedrale beherbergt, übrigens die größte in Wales. Erbaut wurde das alles ab ca. 550 vom walisischen Schutzpatron St. David, der auch erster Abt und Bischof war. Wie üblich, auch hier zigmal geplündert, niedergebrannt usw., stammt das heutige Bauwerk aus dem 12. Jahrhundert. Daneben der Bischofspalast ist heute nur noch Ruine, aber das Mittelalter kann man durchaus noch erahnen. Von dort wollte ich ursprünglich nach Fishguard, hier setzen die Fähren nach Irland über, aber eigentlich bin ich nur durchgefahren. Denn vorher ist mir etwas auf der Karte ins Auge gefallen, was Teil des fast 300 km langen Trans-Wales-Küstentrails ist und der beginnt übrigens in der Nähe von Stackpole und endet nördlich von Fishguard. Eigentlich wollte ich nochmals in die Wanderstiefel, aber es windete dermaßen heftig, da war seinerzeit der Sturm in Lands End ein laues Lüftchen dagegen. Also habe ich das Auto wieder über „Straßen“ gequält, die diesen Namen nur dem Namen nach tragen und bin nach Strumble Head gefahren. Eine mehr als zerklüftete Küste und ein Leuchtturm des Trinity House von 1908, der jetzt vollautomatisch arbeitet. Tatsächlich hatten sogar heute noch mehr Leute diese Idee. Zum Glück ist mir nur an einer Ausweichstelle jemand entgegen gekommen. Heute war übrigens der Tag der Treppenstufen, irgendwo habe ich aufgehört zu zählen. Aber ich frage mich ernsthaft, wie die doch erheblich kleineren Vorfahren mit den teils sehr hohen Stufen zurecht gekommen sind. Eng und niedrig in den Treppenhäusern mag ja noch angehen.

Zum krönenden Abschluss des Tages habe ich mich für ein Dinner im Hotel entschieden. Das war mit Abstand das beste Filetsteak seit langem, mit allem Komfort und zurück; dazu einen australischen Chardonnay und hinterher einen doppelten Espresso. Mir geht es gut. Wetter: Sonne pur, 10 – 18 Grad, stark windig.

Websites:
www.pembrokecastle.co.uk
https://de.wikipedia.org/wiki/William_Marshal,_1._Earl_of_Pembroke
https://www.visitpembrokeshire.com/content.asp?id=1979
https://www.walesinstyle.com/things_to_do/pembrokeshire/barafundle_bay_and_stackpole_quay.aspx
https://www.stdavids.co.uk/
https://www.visitpembrokeshire.com/explore-pembrokeshire/towns-and-villages/strumble-head/

 Stackpole Quay

 Barafundle Bay

 
St. David's Cathedral

 

09.05.2009

Bei der Routenplanung am Vorabend habe ich mich gegen meine eigene Planung entschieden und bin nicht der Richtung Küste und dann dieser gefolgt. Hatte in der Tourist-Info in Pembroke einen Flyer über eine Goldmine gefunden. Fahrzeit von Carmarthen war eine gute Stunde und da die erst ab 10 h die Tore öffneten, war ich zum Glockenschlag in Dolaucothi. Auch hier waren die Römer die Ersten, die dem Gold auf der Spur waren. Die Nachfahren waren wohl zu dümmlich, jedenfalls wurde erst wieder ab 1888 geschürft und endgültig aufgegeben wurde die Sache ab 1930 wegen Unrentabilität. Dieses Gold wird übrigens mit dem einer weiteren Mine im Norden von Wales gemischt und bringt dann den typischen rotgoldenen Farbton, der ausschließlich der königlichen Familie vorbehalten ist, so hat es meine Führerin jedenfalls verraten. Ob der „frühen“ Stunde war ich die erste Besucherin und kam in den Genuss einer Einzelführung. Gut, dass ich vorher die Wanderschuhe angezogen hatte, etwas feucht war es im Berg. Obligatorisch waren der Helm und eine umgeschnallte Batterie für eine Handlampe. Und kalt war es in dem Stollen.

Irgendwo unterwegs Richtung Norden bin ich den Hinweisen ins Elan Valley gefolgt. Das ist eine Reihung von diversen Talsperren, die der Trinkwasserversorgung von Birmingham und sogar London dienen. Die Gegend kannte ich von der Reittour in 1985. Zum Glück waren kaum Autos unterwegs, so war es Landschaft mit Schafen pur. Leider wurde der Himmel immer dunkler und der Regen ließ nicht lange auf sich warten. Mittlerweile tendiere ich stark dazu, Wales gegen Cornwall als die schönere Landschaft anzusehen. Hier ist man ständig in Hügeln unterwegs und auch das Auge hat mehr zu schauen. Bei Devil’s Bridge bin ich wieder unter Leute gekommen. Das ist die Geschichte von der alten Frau und dem Teufel, deren Seele der Teufel gern gehabt hätte. Nur war die Alte schlauer und der Teufel bekam nur ihren Hund. War das eine elende Kraxelei bergab und mittendrin fing es auch noch an zu schütten. Die neue Regenjacke hat also ihre erste Bewährungsprobe hinter sich und die Regenhose habe ich auch noch angezogen. Außerordentlich froh war ich über die Wanderschuhe. Die Wasserfälle stürzen in Kaskaden über 900 m in die Tiefe. Die Brücke besteht aus 3 verschiedenen, die untere Steinbrücke stammt aus dem 11. Jhr., die mittlere Steinbrücke ist von 1753 und die moderne Eisenbrücke ist von 1901.

Danach gen Küste zu fahren, war die wahre Freude, da von Regen keine Spur mehr zu sehen war. Ehrlich gesagt, freiwillig hätte ich in das hier gewählte Hotel keinen Schritt gesetzt. Aber wie so oft hier, habe ich schon zigmal auf den Reittouren erlebt, wird man im Inneren eines Besseren belehrt. Ein sehr schönes Zimmer, endlich mit breitem Brett und wieder Steppdecke, mit Blick zur See, die direkt über die Straße in 20 m Entfernung gerade auflaufendes Wasser hat. Ein Blick auf meine Vorräte hat mich noch zu Lidl getrieben, tja man höre und staune, gibt es hier auch (wobei mir ins Auge gefallen ist, dass viele Waren die deutschen Bezeichnungen tragen, auch Müller-Milch gibt es hier). Danach habe ich mich von der längsten elektrischen Bergbahn Großbritanniens die 131 m auf den Constitution Hill karren lassen. Die Aussicht ist genial. Unten zurück war ich noch ein wenig bummeln, bevor der Magen zu vernehmlich knurrte.

Aberystwyth (fragt mich bloß nicht, wie das ausgesprochen wird) wurde ursprünglich bereits 600 v. Chr. Gegründet. 1872 wurde hier die erste Universität in Wales gegründet. Außerdem hat die Stadt den Beinamen “homosexuelle Hauptstadt von Wales“, ob das ein Kompliment sein soll, diese Beurteilung übernehme ich jedenfalls nicht.  Wetter: 10 – 14 Grad, Sonne im Wechsel mit Wolken, teilweise Regen.

Websites:

https://www.nationaltrust.org.uk/dolaucothi-gold-mines

https://www.elanvalley.org.uk/discover

https://www.tourism.ceredigion.gov.uk/saesneg/dbridge.htm

https://www.aberystwyth.com/
h
ttps://www.glengower.co.uk/


 Elan Valley

 Aberythwyth

10.05.2009 (Aberythwyth - Llanberis)
Um 6 h holt mich der Wecker aus dem Tiefschlaf. Das blöde Mistding hat doch tatsächlich bei einem nächtlichen Update ein Funksignal empfangen und auch noch ein falsches. Prompt die Uhrzeit auf Kontinentaleuropa eingestellt und entsprechend um 6 h losgerattert. Die Stunde habe ich aber locker hintendran gehängt. Das Frühstück, üppig wie immer, war in den 37,50 £ (1 £ aktuell 1,15 €) bereits enthalten und geschlafen habe ich trotz oder wegen der ständig rauschenden Brandungswellen ausgezeichnet.

Nächste Überraschung, auch kein Grund erkennbar, die Möwen haben mit dem Auto Zielscheißen veranstaltet und das sonntags, wo keine Waschanlage auf hat. Alle anderen Autos rundherum haben nix abgekriegt, nur meines. Fragezeichen pur!!!!

Der Weg aus
Aberystwyth heraus war mehr als einfach und ich habe mich auf den Weg nach Harlech gemacht. Teils an der Küste entlang, teils mehr landeinwärts. Leider fing es unterwegs an zu nieseln, aber die Strecke war wunderschön. In Harlech kurz nach 10 h angekommen, war es zwar kalt, aber trocken. Das Castle ist auch eine Ruine, aber wiederum gut erhalten. Errichtet wurde die Burg ab 1289 von Edward I. und lag ursprünglich direkt am Meer, dieses ist jetzt einen guten Kilometer entfernt. Danach habe ich auf dem Weg nach Caernarfon mal wieder die Route geändert, weil ich  bei näherem Nachlesen darauf verzichtet habe, den Abstecher nach Portmeiron zu unternehmen. Es ist sehr hilfreich, dass die örtlichen Tourist Centre so umfangreiche Informationen an Prospekten haben. Allein mittels Internet oder Reiseführer reicht vor Ort oft nicht aus. Jedenfalls Portmeiron gewogen und für zu teuer empfunden im Gegensatz zum Angebot. Daher erneut den Weg über eine Straße Kategorie B genommen, das sind oft die schönsten im Gegensatz zu den gut ausgebauten Straßen und es ist längst nicht soviel Verkehr unterwegs. Bislang hat mir die Fahrerei sehr viel Spaß gemacht, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass ich mittlerweile von so manchem Waliser schon verflucht worden bin, einfach weil ich nicht ständig in Höchstgeschwindigkeit unterwegs bin. Es geht ohnehin schon so viel verloren, da will ich wenigstens einigermaßen das genießen, was ich nebenbei aufnehme. Das Navi ist zwar sehr hilfreich, aber manche Orte kennt es gar nicht und raschelig macht mich, dass es in Verbindung mit einem Ort immer eine Straße haben will, ob ich das nun will, ist eine andere Frage. Nebenbei filme ich und fotografiere, alles während der Fahrt, wenn mir was interessant oder sehenswert vorkommt; dabei ist bereits 1 Stunde an Filmmaterial zusammen gekommen.  Leider sind gerade an den schönsten Stellen meistens keine Möglichkeiten zum Anhalten gegeben; vielmehr sind die äußerst dünn gesät. Ganz zum Schluss trickse ich das Navi aus, wenn ich eine andere Strecke wähle, die mir interessant vorkommt. Wobei das mehr als schwierig ist, denn alle Beschilderungen tragen die doppelte Beschriftung, einmal in Englisch und in Walisisch. Je weiter ich nach Norden komme, desto mehr höre ich diese Sprache. Mir kommt es wie ein melodischer Singsang vor, verstehen tue ich nullkommanull. Bemerkenswert ist, dass selbst junge Leute sich darin unterhalten.

In Caernarfon war eine sportliche Veranstaltung zugange, aber da es reichlich Parkplätze gibt, kein Problem. Auch dieses Castle ist eine Ruine, aber mit teilweise erhaltenen Bauteilen. Wieder war es
Edward I., der die Burg ab 1283 erbauen ließ. Der symbolische Status der Burg wurde durch die Geburt von Edwards Sohn noch untermauert, denn der nützte das geschickt aus, indem er den Walisern einen Prinzen gab, der „in Wales geboren ist, kein Wort Englisch spricht und dem walisischen Volk nie etwas Böses getan hat“. Von dem Spruch fühlten die Waliser sich natürlich verarscht. Der duselige Prinz Charles ließ sich 1969 sehr zum Missfallen der Waliser nach Jahrhunderten des Ausfalls hier zum Prince of Wales krönen. Immerhin starben die beiden Attentäter durch eigene Hand. Aber man fragt sich natürlich, wie unsensibel das britische Königshaus mal wieder agiert hat.

Nach soviel geballter Historie hat es mich noch auf die Halbinsel
Møn (Anglesey) getrieben, kurz gesagt nach Llanfair P.G oder besser lang ausgeschrieben: Llanfairpwllgwyngyllgogerycgwyendrobwlllladysiliogogogoch, das ist sicherlich unschlagbar der Bahnhof mit dem längsten Namen der Welt. Übersetzt heißt das übrigens: St. Marienkirche am Teich der weißen Haselsträucher in der Nähe des schnellen Strudels an der roten Grotte der Kirche des heiligen Tysilio. Darüber zu urteilen, was sich besser anhört, bleibt jedem selbst überlassen. 

Die nur noch 15 Meilen bis
Llanberis waren danach nur noch kurz. Im Dol Peris Hotel bewohne ich ein schönes Zimmer zu 38 £/Nacht incl. Frühstück. Wieder ein breites Bett mit Steppdecke; ich fühle mich wie im Paradies. Einzig eine Frage stellt sich mir wieder und wieder, warum sind die Einzelzimmer immer im obersten Stock? Nur Internet ist nicht vorhanden, daher eine zweitägige Funkstille. Jedenfalls bin ich hier am Fuße des Mount Snowdon, den will ich am Montag angehen. Eine Kuriosität gibt es schon, die Zahnradbahnen auf den Berg fahren ab 9 h; einen Fahrplan gibt es nicht, immer wenn ein Zug voll ist, fährt er ab. Wetter: 10 – 15 Grad, fast windstill, vereinzelte Schauer, zum Nachmittag zunehmend aufklarend mit Sonne.

Websites:
https://www.harlech.com
https://www.caernarfon.com
https://www.englisch-hilfen.de/texte/llanfair.htm
https://www.llanberis.org/
https://www.dolperis.co.uk/   

 Harlech Castle

                                                                                 Caernafon Castle

 


11.05.2009 (Llanberis)

Geschlafen wie ein Engelchen und zur Belohnung mit einem kräftigen waliser Frühstück, sogar an Müsli habe ich mich aufgrund der bevorstehenden Anstrengungen gewagt, gestärkt. Schon um viertel vor neun stand ich in der Schlange vor dem Zug zum Mount Snowdon. Das heißt, nicht bis zum Gipfel, sondern nur bis Rocky Valley gefahren. Im Tal war es etwas windig mit wolkenlosem Himmel, aber oben toste der Sturm mit 60 Meilen die Stunde. Die Eisenbahner haben nur Return-Tickets verkauft, aber oben war der freundliche Mensch doch so einsichtig, etliche Mitfahrer und auch mich laufen zu lassen. Da es dort bereits kaum möglich war, sich so richtig auf den Beinen zu halten, habe ich auf die strapaziöse Tour, mich nochmals 1 ½ Meilen den Berg steil hoch zu jagen, verzichtet und gleich den Weg ins Tal gesucht. Hat die Fahrt mit der Bahn nur gute 35 Minuten gedauert, waren es ins Tal fast 2 Stunden per pedes.

Der
Snowdon ist mit 1085 m der höchste Berg in Wales gehört zu einer ganzen Kette von Bergen der fast gleichen Höhe. Ich war wirklich froh, sehr warm angezogen zu sein, denn der Wind ging durch jedes Loch. Je weiter ich nach unten kam, desto angenehmer wurde es. Einen Abstecher zu einem Wasserfall mit dem Zungenbrechernamen Ceunant Mawr habe ich mir auch noch geleistet und dabei fast die Videokamera auf die Verlustliste setzen müssen. Aber noch ist sie da und funktioniert. Am Mount Snowdon hat bislang noch jede britische Himalaya-Expedition trainiert, es sind also nicht nur Hügelchen, sondern schon anspruchsvolle Berge, in denen Jahr für Jahr leichtsinnige Touristen tödlich verunglücken. In jedem Ort sieht man Outdoor-Ausrüster mit allem nötigen und unnötigen Equipment. Die ganze Gegend hier ist sehr reizvoll, der bekannte Schauspieler Sir Anthony Hopkins, übrigens ein Waliser, hat nicht umsonst gesagt „Snowdonia ist einer der schönsten Orte auf der Welt und der Snowdon das Juwel in seinem Inneren“. 

Mit Bedauern werde ich Morgen diese wirklich schöne Gegend und auch Wales verlassen, um die vorletzte Nacht auf englischem Boden zu verbringen. Im Tal habe ich mir in einer Eisdiele, auch so was gibt es hier, 2 Kugeln (hier heißt das Scoop) Eis geleistet. Kugeln ist gelinde gesagt, untertrieben, bei uns wären das so um die 6 Kugeln aufwärts gewesen, bezahlt habe ich 2,80 £, geschmeckt hat es genial. Um den angebrochenen Tag, der ja eigentlich nur auf dem Berg stattfinden sollte, zu einem vernünftigen Ende zu bringen, habe ich mich kurz entschlossen ins Auto gesetzt und bin durch das Gebirgstal zu den Bodnant Gardens gefahren, hin und zurück waren es nur schlappe 64 Meilen. In Anbetracht dessen, was ich dort gesehen habe, ist keinerlei Bereuen angesagt. Außerdem hätte ich Morgen mit der Zeit knapsen müssen, weil es auf dem Wege liegend auf dem Plan stand. Der Garten wurde bereits 1875 angelegt und befindet sich in einem erstklassigen Pflegezustand. Für das Eintrittsgeld < 7,50 £ > könnte man sich das mindestens einmal im Monat antun. Gute 1 ½ Stunden bin ich bergauf und bergab durch das wunderschöne hügelige Gelände gelaufen und bin aus dem Staunen nicht mehr heraus gekommen. Zur Zeit blühen die Rhododendren, Magnolien und Kamelien in allen Farben. Dazu kommen uralte, hohe Bäume, kleine Wasserläufe und überwachsene Arkaden. Ich glaube nicht, dass ich alles gesehen habe, aber Morgen wäre es noch viel weniger gewesen, mangels Zeit. Diese Gartenanlage zählt mit Sicherheit zu den Top Ten derer, die ich bereits gesehen habe. An erster Stelle, um das mal zu erwähnen, steht der botanische Garten in Singapore.
Wetter: nur 4 Grad auf dem Berg, ansonsten bis 18 Grad, im Tal leicht windig, auf dem Berg Sturm, wolkenloser Himmel. Sonnenbrille um 8:30 h aufgesetzt und um 17 h wieder abgenommen.
Websites:
https://www.visitsnowdonia.info/
https://www.snowdonrailway.co.uk/
https://www.snowdoniaguide.com/ceunant_mawr_waterfall.html
https://www.bodnantgarden.co.uk/

 Llanberis



Snowdonia National Park



 Ceunant Mawr

 Bodnant Gardens

   

                                         

12.05.2009 (Llanberis - Shrewsbury)

Dieser verdammte Wecker, jetzt hat er mich positiv überrascht. Irgendwo in der Nacht wohl ein richtiges Funksignal empfangen und das strahlt er jetzt mit der richtigen Zeit aus. Ich glaube, das Teil kann denken, anders kann ich es mir nicht erklären. Nochmals ein gutes walisisches Frühstück genossen und dann hieß es Abschied nehmen aus dem Snowdonia-Nationalpark. Das ist nicht leicht gefallen bei wieder absolut wolkenlosem Himmel. Aber es war noch kälter in der Frühe als am Vortag und weiterhin stark windig. Mit den Hoteleignern zum Abschied noch einen sehr netten Plausch über Reisen im Allgemeinen und besonderen gehabt und dann ging die Fahrt gen Conwy.

Ausgerechnet heute hatte ich Depp mal nicht die Kameras auf dem Beifahrersitz liegen, weil ich der Meinung war, das würde nicht lohnen. Weit gefehlt; so sind endlose Sandstrände leider nicht auf die digitalen Medien gebannt worden. Conwy hat den Charme einer mittelalterlichen Stadt mit der vielleicht beeindruckendsten Burg, natürlich wieder von Edward I., und der Stadtmauer mit immerhin 21 Wachtürmen, die fast völlig intakt und begehbar ist. Das erinnert stark an Nördlingen oder Rothenburg ob der Tauber, nur mit dem Unterschied, dass dies hier massiv aus Stein gebaut ist, während dort nur Holz als Baumaterial diente. Die Burg mit ihren 8 Türmen wurde 1283 – 1287 erbaut und wie so oft ist sie nach dem Bürgerkrieg (Cromwell lässt grüßen) verfallen, ist aber noch in einem sehr guten Zustand. An die Burg angelehnt ist die 1826 von Thomas Telford erbaute Suspension Bridge, die seinerzeit die Fähre ersetzte. Telford ist der geniale Ingenieur seiner Zeit und sein Name taucht an allen möglichen und unmöglichen Plätzen auf.

Weiter geht die Fahrt nochmals an den
Bodnant Gardens entlang nach Llangollen. Dazu schreibt der Reiseführer: die kleine Stadt im malerischen Flusstal des Dee/Dyfrdwy, unterhalb der Ruinen der Burg Dinas Bran war schon Ende des 18. Jahrhunderts ein Touristenort. Zu seinem Aufblühen trug die seit dem 14. Jahrhundert bestehende Brücke nicht unerheblich bei. Es gab weit und breit keinen anderen Flussübergang. Die schöne Brücke von Llangollen aus dem Jahr 1347 zählt zu den sieben Wundern von Wales. Welches die anderen sind, habe ich nicht erkundet und die Brücke habe ich auch nicht fotografiert, nur von ihr herunter.

Aber nebulös ist doch die Geschichte des Ortes. Der
Dee  ist der heiligste keltische Fluss in ganz Westeuropa. Wurde der Gral in der Burg aufgewahrt? Wer war St. Gollen, der dem Ort den Namen gab und war er tatsächlich der erste Abt von Glastonbury? 

Zunächst habe ich mir
Plas Newydd angeschaut. Das ist ein exquisiter Fachwerkbau in einem schönen Garten und war das Heim der Ladies von Llangollen, zweier exzentrischer Damen aus Irland, die 1790 – 1831 hier wohnten. Wenn man die im Haus dargestellte Geschichte der beiden Ladies nachliest, packt einen die kalte Wut. Denn es war ja wohl zu ihrer Zeit äußerst verpönt, als Frau auch nur etwas aus dem Rahmen zu ragen, dafür sollten sie ins Kloster gesteckt werden. Zum Glück haben beide den Mut aufgebracht, sich dagegen aufzulehnen und bei Nacht und Nebel in Männerkleidung (zur damaligen Zeit!!!!) zu flüchten und Irland für immer zu verlassen.

Danach habe ich etwas Aufmunterung vertragen und mich dem Horse Drawn Boats and Canal Centre zugewandt. Während 45 Minuten habe ich die Fahrt in einem von einem Pferd (Welsh Cob, aber so einen massigen habe ich noch nie gesehen) gezogenen Boot genossen. Für das Pferd war es ein Spaziergang im Schritttempo, denn ist das Boot einmal in Bewegung, läuft es fast von alleine. Die Leine zum Pferd war nie angespannt, sie hing immer durch. Es sind sogenannte Narrow Boats, bis zu 20 m lang können sie sein, bei einer Breite von knapp 2 Metern. Die kann man auf diesem Kanalsystem sogar chartern und gemütlich durch die Gegend tuckern > Blumen pflücken während der Fahrt verboten. Die Kanäle sind so schmal, dass sich kaum zwei Boote begegnen können, dafür gibt es von Zeit zu Zeit riesige  Becken. Übrigens hat auch den Llangollen Kanal Thomas Telford erbaut und sich mit dem Pontecysyllte Aquädukt ein unsterbliches Denkmal gesetzt. Wer ein Bild davon sehen will, sollte das Internet bemühen, denn dort war ich nicht, aber immerhin kannte ich den Namen. Das hat meine Ehre bei meinen Mitfahrern gerettet, die natürlich im Gespräch fragten, ob ich das kennen würde. Übrigens ein nettes Gespräch, denen als ehemalige Offiziere der britischen Armee Deutschland über entsprechende Stationierungen natürlich nicht unbekannt war. Sogar per Händedruck haben sie sich von mir verabschiedet, das ist für einen Briten durchaus ungewöhnlich. 

In Anbetracht der Zeit stand ich vor der schwierigen Entscheidung, direkt nach
Shrewsbury zu fahren oder noch nach Welshpool, zum Powis Castle. Schließlich habe ich mich unterwegs für letzteres entschieden, weil mal keine Ruine. Prompt war es eine Niete, weil geschlossen. Also auf nach Shrewsbury und natürlich in den Feierabendverkehr gekommen und im ersten Anlauf das Hotel nur nach Eingabe der Straße nicht gefunden. Mittels Parkplatz und intensiver Navi-Beschwörung hat dieses dann doch noch die Adresse ausgespuckt und es war eine Punktlandung. Aber wieder kein Internet, nur abgesicherte Netze, in die ich nicht reinkomme. Zu allem Leidwesen jetzt auch noch das typische Bettlakengewusel, nix Steppdecke mehr. Alles schön festgezurrt und wenn alles losgerissen ist, sieht es aus, als ob das Bett jeden Moment zusammenbricht. Ganz in der Nähe ist ein Hallenbad, aber leider machen die erst zu 8 h in der Frühe auf, da es Frühstück (wurde sogar gefragt, ob continental oder englisch) nur bis 9:30 h gibt, ist es nicht zu schaffen, egal wie ich es anstelle. Dabei kostet es nur 2 £ Eintritt für 2 Stunden. Aber vielleicht gelingt es mir endlich in Oxford, ins Wasser zu kommen. Das wäre Ironie des Schicksals, ausgerechnet am letzten Tag. Shrewsbury hat rund 60000 Einwohner und ist die wohl schönste Tudorstadt auf der ganzen Insel. Irgendwann habe ich aufgehört, die Häuser zu zählen. Aber in der City ist fast jedes zweite Haus aus dieser Epoche. Übrigens wurde Charles Darwin 1809 hier geboren. Wetter: wieder Sonnenbrillenwetter von früh bis spät, 10 - 18 Grad, stark windig.

Websites:
https://cadw.gov.wales/daysout/conwycastle/?lang=en
https://www.llangollen.org.uk/
https://www.horsedrawnboats.co.uk/
https://www.canaljunction.com/canal/llangollen.htm
https://www.shrewsburyguide.info/
https://www.bucksheadinn.co.uk/    
https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Darwin

 Conwy

 

Llangollen > Plas Newydd



 Shrewsbury
  

13.05.2009 (Shrewsbury - Oxford)
Über Nacht hat es mal wieder einen Wetterwechsel gegeben und die Sonne lacht nicht mehr. Nach einem wie immer üppigen Frühstück habe ich mich auf den Weg nach Warwick gemacht. Das dortige Castle wollte ich mir nicht entgehen lassen. Die Nevilles, so heißt der Duke of Warwick nämlich mit Hausnamen, haben in der englischen Geschichte wichtige Dinge bewegt. Während der Rosenkriege hat der damalige Duke sowohl Henry V. wie auch Edward III. schlichtweg eingebuchtet und zum Krieg gegen Richard III. aufgerufen. Der hat in der Schlacht von Bosworth mit dem Leben dafür bezahlt. Somit war der Weg für Henry V. offen und danach ging es bis Henry VIII., dem eigentlichen Begründer des Hauses Tudor. Was wohl gewesen wäre, ohne die Warwicks, die auch als Königsmacher bezeichnet wurden. Wahrscheinlich keinen Henry VIII. und keine Elisabeth I., denn bei beiden zog wieder ein Warwick die Fäden im Hintergrund. Interessant war das Schloss auch deshalb, weil die Kunst der englischen Bogenschützen, die zu ihrer Zeit zu Tode gefürchtet wurden, vorgeführt wurde.

Weiter ging es gen Oxford. Zwischendurch habe ich das Auto  durch eine Waschanlage gejagt, weil ich die Möwenscheiße endlich loswerden wollte. Gebracht hat das im zwischendurch immer wieder einsetzenden Nieselregen nicht allzu viel, aber immerhin…. Iffley ist ein Vorort von Oxford, demzufolge liegt mein Hotel ruhig in der Nähe der Themse. Deren Lauf bin ich dann in die Stadt per Pedes gefolgt; einen Wolf habe ich mir gelaufen auf einem Marsch von fast einer ¾ Stunde pro Weg. Belohnt wurde ich mit unzähligen Colleges. Das bekannteste ist wohl das Christ Church College, welches ich auch von innen besichtigt habe. Hier wurden übrigens in der großen Halle die Innenaufnahmen für die Harry-Potter-Filme gedreht, Hogwarts pur, könnte man auch sagen. Auf der Themse war übrigens eifrige Aktivität in Form von Rudern aller Art zu beobachten. Vorwiegend Achter waren zu sehen. Ob darunter auch die Trainingseinheiten für das legendäre Rennen zwischen
Oxford und Cambridge waren, das vermag ich nicht zu sagen. Ach und dann ist mir im Gegensatz zu den properen Oxford-Studenten eine Gruppe Jugendlicher aus Deutschland ins Auge gefallen. Man wendet sich eigentlich nur mit Grausen ab, wenn das unsere Zukunft sein soll…. Wetter: bedeckt mit Nieselregen, 10 – 14 Grad.

Websites:
https://www.warwick-castle.co.uk/
https://www.citysightseeingoxford.com/
https://www.treehotel.co.uk/index.asp
https://www.chch.ox.ac.uk/index.php


 Warwick Castle

 
Christchurch College, Oxford
       

14.05.2009 (Oxford - London - Frankfurt - Lengerich)
Nachdem ich am Vorabend nach unendlichen Versuchen für eine ¼ Stunde im Internet war, bin ich glücklich im hohen Bogen rausgeflogen und danach ging nichts mehr. Im Hotel hatte ich mir noch eine Lasagne als Abendessen gegönnt, weil die Vorräte im wahrsten Sinne des Wortes alle aufgefuttert waren. Ein nettes Gespräch mit einer Tischnachbarin bei einem guten südafrikanischen Shiraz rundete den Abend ab.

Gut geschlafen und ab 7 h versucht, Ordnung in meine Klamotten zu bringen. Erneut das Navi gefüttert, ohne Autobahn den Weg nach Heathrow zu finden. Kurz vor 9 h losgefahren und gegen halber 11 gut bei Hertz angekommen. Gleich 2 Inspektoren haben sich auf das Auto gestürzt, aber da ich ja mit Vollkasko über den ADAC gebucht hatte, bleibt nichts an mir hängen. Man hat mir nämlich wohl eine Beule in die Beifahrertür gehauen, schlicht und ergreifend mit der Nachbarautotür.  Mit 1868 km gefahrenen Kilometern gebe ich das Auto zurück. Das weicht von meiner Berechnung nur um ungefähr 20 km ab. Im Terminal 5 ist auch der elektronische Check-in möglich, aber es war kein Fensterplatz mehr frei. Gut, damit kann ich bequem leben (siehe später). Endlich alle Mails abgerufen, beantwortet und geschrieben. Jetzt harre ich der Dinge, die auf mich zukommen.

Pünktlich um 13:50 h hebt BA 908, Airbus A 319 in den Sonnenhimmel über Heathrow ab. Mein Gangplatz erweist sich als Niete, weil neben mir ein schreiendes Baby sitzt. Da der Flieger voll ist, bleibt nur, die Kopfhörer über die Ohren zu ziehen und den MP3-Player auf volle Lautstärke zu dröhnen.  Pünktlich um 16:05 h Ortszeit ist touchdown in Frankfurt. Sofort habe ich mal wieder gemerkt, in Deutschland zu sein. Diese muffeligen Zollbeamten können weder guten Tag sagen, noch mal auch nur lächeln. Das ist selbst in Heathrow bei den als cool bezeichneten Briten anders. Auto angeschmissen, Navi auch, um zur Tanke zu finden. Danach habe ich mir selbst ein Eigentor geschossen. Das Navi auf zu Hause eingestellt und ich sollte irgendwo in die Karpaten, nur nicht auf die A 5. Auf Eigeninstinkt mit etwas Umweg doch noch richtig gefunden, fiel mir dann siedendheiß ein, dass ich in GB das Teil auf ohne Autobahn eingestellt hatte. Umgestellt und plötzlich ging alles. Mit insgesamt 20 km Stau war ich glücklich um 20: ungerade zu Hause.

Reiseroute

 

Zu dieser Reise gibt es einen Film auf DVD
mit einer Laufzeit von 39 Minuten!