Australia 2012





18. – 20.04.2012 > Lengerich – Frankfurt – SingaporePerth <
Zu meinem 6. Australienabenteuer starte ich gegen 15 h mit dem Auto Richtung Frankfurt. Prompt regnet es kurze Zeit, aber als ich die A 1 ab Auffahrt Ladbergen erreiche, scheint bereits wieder die Sonne. Der Verkehr ist für einen normalen Wochentag akzeptabel, nur auf der A 45 reihen sich die Baustellen. Gegen 18 h treffe ich in Hanau bei meiner Jugendfreundin Bärbel ein, die mir bis zum Abflug in Frankfurt Gesellschaft leisten will. Die Weiterfahrt zum Terminal 2 ist leicht geschafft, ein Parkplatz, sogar ein Eckplatz, auch schnell gefunden. Bei Qantas brauche ich nicht zu warten, mit 19,6 kg geht meine Tasche auf die Waage. QF 006, Boing 747-400, ist allerdings zu mehr als ¾ belegt. Bei der Sicherheitskontrolle wird mein Laptop auf Sprengstoff untersucht; natürlich negativ! Mein Sitzplatz 71B ist eine Fehlkalkulation, ausgerechnet hier befindet sich unter dem Vordersitz eine technische Installation, die nicht allzu viel Platz für die Füße lässt. Neben mir sitzt eine Dänin, wir unterhalten uns recht nett. Pünktlich startet QF 006 um 22:20 h zum Nachtflug nach Singapore. Niemals zuvor habe ich so einen unruhigen Flug erlebt, fast die gesamte Zeit erlischt das Fasten Seat Belts-Zeichen nicht. Es ist äußerst schwierig, ein Getränk halbwegs mit vollem Gefäß zum Mund zu bekommen. Zum Dinner entscheide ich mich für Schweinefleisch. Wir werden wieder mit der üblichen Nachtration versorgt und während der Nacht wird frisches Obst gereicht. Die Filmauswahl ist nicht so ganz nach meinem Geschmack, schließlich entscheide ich mich für „Wir kaufen einen Zoo“ mit Matt Damon und Scarlett Johansson. Irgendwann fallen mir die Augen zu und ich komme wohl auf gute 6 Stunden Schlaf, zwar in Etappen, aber immerhin. Trotz der Turbulenzen erreichen wir Singapore pünktlich. Die Zeit zum Schwimmen ist zu knapp, so entscheide ich mich für eine Dusche, die Wohltat pur.

Flug QF 078, Airbus A 330-300 Singapore – Perth ist rappelvoll. Der Start erfolgt pünktlich um 19:30 h. Neben mir sitzt ein netter Australier aus Perth. Zum  Nachtessen entscheide ich mich für Hühnchen indisch. Die Zeit vertreibe ich mir mit dem Film „Die Abenteuer von Tim und Struppi, das Geheimnis der Einhorn“, eine Animation. QF 078 erreicht Perth
10 Minuten früher als geplant. Leider sind aufgrund diverser Verspätungen anderer Maschinen alle fast zur gleichen Zeit gelandet. Der Arrival-Bereich läuft über. Geschätzte 1000 Leute warten auf Passkontrolle und Zollabfertigung. Erstmals hatte ich mich entschieden, Medikamente anzumelden, aber auch kein Problem. Endlich um 1:30 h geschafft, habe ich das Glück, schnell ein Taxi ins Hotel zu bekommen. Um 2:20 h liege ich endlich lang, tut das gut.
Webadressen:
https://www.criterion-hotel-perth.com.au/cgi-bin/criterion_hotel.htm
Wetter:

Bis Frankfurt Sonne und zwischen 12 – 14°Grad, Singapore bedeckt, 33°Grad,

Perth 14 °Grad

 
20.04.2012 > Perth – Broome <
Von der Rezeption habe ich mich wecken lassen, 7:40 h war die richtige Zeit dafür. Nach einer ausgiebigen Dusche leiste ich mir für 15 $ das bereits bekannte ausgezeichnete Frühstück mit Eiern und Speck in der Brasserie des Hotels. Das Gepäck kann ich lagern und bei angenehmen 20° Grad ohne eine Wolke am Himmel laufe ich Richtung Kings Park. Unterwegs ziehe ich an einem ATM mittels Eurogeldkarte und Visacard die erforderlichen Devisen (empfehlenswert die Commonwealth Bank), da bei Autoübernahme in Broome die one-way-Charge bei Übernahme Fahrzeug zu bezahlen ist. Im Kings Park soll es einen Tree Top Walk geben. Der erweist sich allerdings als Miniversion. Aber erneut zieht mich der Kings Park mit seinen gepflegten Rasenflächen, den unbeschreiblichen Aussichten auf Perth und der üppigen Vegetation in seinen Bann. Quer durch die Stadt laufe ich Richtung Perth Mint. Leider ist das Filmen und Fotografieren im Inneren verboten und es gibt nur geführte Touren. Da verzichte ich dankend und gönne mir lieber in der Sonne ein leckeres Eis.

Das Hotel bestellt mir ein Taxi zum
Domestic Airport Perth und ohne Probleme geht meine Tasche auf das Gepäckband. Die Boarding Card hatte ich bereits in Frankfurt bekommen. Während des Laufens habe ich zunehmend angefangen zu hinken, in Broome stelle ich unter beiden Fußballen dicke Blasen fest und das passiert mir in Sandalen. Dank Compeed-Blasenpflaster ist der größte Schaden bereits behoben. Auch die Boing 717, Flug QF 1930 von Qantas nach Broome verlässt Perth äußerst pünktlich. Erneut erlebe ich den Sonnenuntergang im Landeanflug, 18:15 h ist touchdown. Die Hitze, geschätzte 35° Grad, erschlägt einen total. Ständig ist die Brille beschlagen, wenn man aus den klimatisierten Räumen nach draußen geht. Es gibt noch das Sammeltaxi und für 7 $ werde ich zur Time Lodge (früher Ocean Lodge) gefahren. Gleich eine freudige Überraschung, ohne Mehrkosten bekomme ich ein Upgrade auf eine Luxussuite, die sich deutlich von dem Zimmer von vor 2 Jahren abhebt, sogar ein Balkon ist dabei, auf dem es mir aber entschieden zu warm ist. Klamottenwechsel ist angesagt, bloß raus aus der schweren Jeans und ab zum Woolworth-Supermarkt, für das Frühstück einkaufen, denn das Hotel ist mit Selbstverpflegung. Schweißgebadet komme ich zurück und bin froh über die Klimaanlage. Nur zum besseren Verständnis für die hiesigen Temperaturen, der im Supermarkt gekaufte Joghurt war auf dem 10minütigen Heimweg lauwarm geworden.
Webadressen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Perth
https://www.bgpa.wa.gov.au/kings-park/things-to-do
https://www.broometimelodge.com.au/
Wetter:
Perth: ca. 22°Grad, wolkenloser Himmel; Broome: ca 35°Grad, sternenklar

 Perth

 
21.04.2012 > Broome <
Die Klimaanlage im Raum ist auf 22°Grad eingestellt, das erwies sich in der Nacht als zu kalt. Jetzt läuft sie mit 24°Grad. Der Vorbewohner hatte den Radiowecker auf Mitternachtsklingeln eingestellt, bis ich raus hatte, wie man das Ding abstellen kann, klingelte er noch 2 x. Da saß ich senkrecht im Bett. Gefrühstückt, geduscht und ab zur Rezeption, den Abholtermin der Segeltour erfragen; böse Überraschung, Totalausfall wegen Motorschaden. Als Ersatz ist nur eine Infoveranstaltung über Perlen und die Entwicklung zu haben, so kurz auf knapp.

Also erst mal das Auto abholen. Den Weg zum Flughafen bin ich schon mal gelaufen, nach 20 Minuten kann ich bei Europcar die Fahrzeugpapiere und den Schlüssel entgegen nehmen. Was mich erheblich ärgert, ist die Tatsache, dass die one-way-Charge (immerhin 900 $) nun nicht mehr bei Fahrzeugübernahme, sondern erst bei Abgabe zu zahlen ist. Jetzt schleppe ich die ganze Zeit das Geld in cash mit mir rum. Die Bestimmungen wurden angeblich geändert, in den Katalogen stand nur nichts dergleichen. Dieses Mal leider kein Upgrade, sondern genau das gebuchte Fahrzeug, nämlich einen Hyundai Getz Benziner 1,6 ltr. in silbergraumetallic mit 16560 km auf dem Tacho und manueller Schaltung auf der linken Seite. Da Scheibenwischer und Blinker auch entgegengesetzt liegen, ist der Scheibenwischer schon einige Male mitgelaufen. Irgendwann lerne ich es, um dann zu Hause wieder voll daneben zu liegen. Die Schaltung ist völlig unproblematisch, das Getriebe hat noch keinen Mucks von sich gegeben. Aber ich hatte ja schon mal ein Fahrzeug mit Handschaltung in Wales.

Beim Visitor Centre vorbei geschaut und die Segeltour reklamiert. Matilda hat mich während meiner Internet-Buchungen betreut und konnte sich sogar an den Schriftwechsel erinnern. Geld ist bereits zurückgebucht, die entsprechende Email schon im Eingang. Habe dort auch die Routeninfo für den Weg nach Kununurra abgefragt. Die Gibb River Road mit allen Highlights ist ab dem unbefestigten Teil noch komplett gesperrt. Wollte ich zwar ohnehin nicht fahren, weil mir alleine zu gefährlich und jetzt wegen Nicht-Allrad ohnehin. Der Highway ist durchgehend frei. Mit dem Auto alle möglichen und unmöglichen Shops abgefahren, um Obst, Wasser, Deo-Artikel usw. einzukaufen. Rein informell auch bei dem Akubra-Hut-Anbieter nach den Preisen geschaut, ab 175 $ aufwärts, da ist Don Thomas in Alice Springs doch erheblich günstiger. Die nun zur Verfügung stehende freie Zeit verbringe ich im Pool, der hat auch so seine 32° Grad, ist aber trotzdem angenehm.

Bei der gebuchten Tour bin ich zu früh, daher gönne ich mir im Café einen flat white (Milchkaffee) und werde von Moskitos überfallen. Im Ergebnis beißen mich so etwa 20 Biester bis aufs Blut. Die übertragen, wenn man Pech hat, eine fiebrige Entzündung > Dengue-Fieber (dagegen gibt es keine Impfung, man liegt nur eine Woche mit hohem Fieber im Bett). Nach der Tour versorge ich mich gleich in der Drogerie mit einem entsprechenden Mittel gegen die Viecher, hoffentlich nicht zu spät. Die Tour ist sehr interessant, alles über die Entwicklung der Perlmuttgewinnung bis hin zu den heutigen Perlen. Auf dem hiesigen japanischen Friedhof sind über 900 Gräber von den seinerzeitigen Tauchern. Zum Schluss wird uns noch eine Perle gezeigt, die im Durchmesser etwa einer 20-Cent-€-Münze entspricht, Wert lockere 100000 $ = zur Zeit etwa 80000 €. Das ist die zweitgrößte Zuchtperle, die jemals gefunden wurde; wir dürfen sie sogar in die Hand nehmen. Mein Versuch, Wein in der Box zu bekommen, schon wegen des Transportes, ist hier leider fehlgeschlagen. Einem Gesetz zu Folge darf der in den Kimberleys nicht verkauft werden. Mein Chardonnay von Lindeman aus der Flasche schmeckt mir aber auch.

Ein Blick auf die Uhr lässt mich dann schleunigst den Weg zum
Cable Beach, dem berühmten Strand von Broome nehmen. Erneut wie vor 2 Jahren banne ich einen fantastischen Sonnenuntergang auf die Geräte. Dieses Mal sogar von einem besseren Standort aus. Im Hintergrund kommen die Horden auf den Kamelen über den Strand getrabt, die sind aber nicht drauf. Der Gestank vor Ort reicht mir, nicht dass das noch vom Zelluloid kommt.
Webadressen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Broome
https://www.pearlluggers.com.au/tours/
Wetter: 35° C, Wasser 32° C, wolkenlos

Gefahrene km: 28


Broome > Time-Lodge

Wert 100000 $AUD

Broome > Cable Beach

 
22.04.2012 > Broome – Derby <
Um 9 h checke ich nach einer geruhsamen Nacht aus und bin auf dem Weg nach Derby. Die Landschaft entlang des Great Northern Highway Nr. 1 ist erstaunlich grün. Teilweise haben die Flüsse noch  Wasser oder man kann Billabongs sehen. Zunehmend gen Derby kommen zu den Eukalypten aller Sorten auch Boab-Bäume in verschiedenen Größen dazu.

Kurz vor Derby biege ich ab zum Boab Prison Tree. Das ist ein riesiger Baum, der in früheren Zeiten als Gefängnis für Aboriginals benutzt wurde. Ein sehr dunkles Kapital australischer Geschichte, da der Baum auch ein Relikt der Traumzeit bedeutet. Derby ist eine Enttäuschung, es rühmt sich, die erste Stadtgründung in den Kimberleys zu sein. Überall sieht man Aboriginals zusammen stehen. Ich fahre durch den Ort zu dem vielgerühmten Jetty. Derby hat den höchsten Tidenhub an der ganzen Nordwestküste mit mehr als 12 m. Es ist Lowtide, so dass die Stützpfeiler hoch aus dem Wasser ragen. Was nirgendwo stand, man kann über den Jetty mit dem Auto eine Runde drehen. Das lasse ich mir nicht nehmen. Da die Tankanzeige kurz vor halb steht, tanke ich. Es waren nur 16 ltr (keine Ahnung, wie viel in den Tank passt > 45 ltr), aber der Preis von 1,87$ haut mich um.

Ein Stück den Highway zurück bis zum Abzweig der
Gibb River Road. Irgendwo im Nirgendwo steht ein Schild mit dem Hinweis auf Birdwood Downs. Eine Gravelroad mit einem Tor mittendrin und ich bin angekommen. Ein kleiner Bungalow ohne Klimaanlage und mit einem Sanitärgebäude gegenüber, aber sehr gemütlich. Bei der Affenhitze die Jeans zum Reiten anzuziehen und dazu noch die Wanderschuhe mit dicken Socken ist nicht unbedingt der Hit, aber ich habe es doch so gewollt. Allein mit Robin, die hier den Laden schmeißt, reiten wir in den Busch zu einem riesigen Boab. Mein Pferd heißt Rocky, ein Schimmel mit Araberblut in den Adern. Am Boab gibt es einige Biscuits und Champagner. Eine Jungbullenherde mit Mama kommt uns gefährlich nahe, die Pferde heben bereits die Hufe, um zuzuschlagen. Im Stockdunklen reiten wir zurück; absatteln und unter die dringend nötige Dusche. Jetzt ist noch Dinner angesagt, es gibt Filet Mignon mit Gemüse und Salat, als Dessert mit Schokolade überzogene Banane. Die Ranch produziert fast alles für den eigenen Bedarf, vom Fleisch angefangen bis zum Gemüse und Obst, dazu gehören Ananas, Mangos, Bananen, Salat und auch Kräuter. Die Rinder sind eine Spezialrasse zwischen Hereford und noch was, das Fleisch ist exzellent.
Webadressen:
https://www.birdwooddowns.com/
Wetter: ca 35° Grad, wolkenloser Himmel, abends Wetterleuchten, intensiver Sternenhimmel
Gefahrene km: 301

Boab Prison Tree

Derby > Jetty

  Birdwood Downs

 
23.04.2012 > Derby – Fitzroy Crossing <
Nach einer etwas unruhigen Nacht, es war totenstill, aber dafür kamen die Naturgeräusche unbekannter Art deutlich zum Zuge, gibt es ein fantastisches Frühstück mit Obst, Toast, Marmelade, Eiern und Speck zum Abwinken. Um 9:30 h bin ich auf dem Weg nach Fitzroy Crossing, erneut auf dem Great Northern Highway No. 1. Die Landschaft wechselt von üppiger Vegetation bis zu langen Streifen Brandrodung oder einfach wohl nur Buschbrand. Zwischendurch ist immer mal wieder Wasser als Überbleibsel der Wet-Season zu erkennen.

Fitzroy Crossing besteht aus einer Ansiedlung von Häusern mit einem Supermarkt und 2 Tankstellen. Es folgt die Doppelbrücke über den Fitzroy River und ich biege in die Einfahrt zur Fitzroy River Lodge und bin angenehm überrascht. Eine mehr als gepflegte Anlage in sattem Grün. Gebucht hatte ich eine Safari Cabin, das ist ein Zeltaufbau auf festem Untergrund und mit einem festen Dach drüber. Bestückt ist das Teil mit Veranda, 2 Betten, Kühlschrank, Klimaanlage, WC und Dusche. Aber mich hält erst mal nichts mehr vom Pool ab. Erscheint er mir zunächst ziemlich kalt, ist es eine wahre Wonne, je länger ich schwimme. Kurz noch alles auf die Geräte gebannt und ich lege mich ab zu einem Nickerchen.

Das geht fast ins Auge, weil noch die Fahrt zur Geikie Gorge ansteht, immerhin sind das noch 18 km, sogar mit 2 Wasserdurchfahrten, allerdings nur bessere Pfützen. Dort angekommen, zahle ich 35$ für eine einstündige Bootstour. Veranstalter sind die Darngku Aboriginals. Das Boot ist mit 12 Leuten voll besetzt. Der Guide weiß sehr viel zu erzählen. Der Fitzroy River wimmelt von Freshies, etliche sehen wir, aber alle gehen sofort auf Tauchstation.

Die Geikie Gorge ist das Ergebnis der Erosion durch den Fitzroy River, der sich tief in ein ehemaliges Barriere-Riff eingegraben hat. Vor ca. 350 Millionen Jahren bedeckte ein tropisches Meer den Nordwesten von Australien. Dort, wo heute das Kimberley liegt, wuchs im warmen, seichten Wasser ein gewaltiges Riff. Es war rund 1000 km lang und 20 km breit. Das Riff wuchs in 50 Millionen Jahren mehrere 100 m in die Höhe. Die heutigen Bergketten der Geikie-Range sind nur die Spitze des ehemaligen Riffs. Durch die Erosion entstanden die beeindruckenden Schluchten im Kalkstein und das fossile Leben wurde so im Querschnitt freigelegt.

Auf dem Rückweg beginnt bereits die Dämmerung, es tummeln sich nicht nur Rindviecher im Busch.  Auf dem Weg zum Restaurant laufe ich querbeet, das rächt sich sofort, mit einem Fuß tappe ich in ein Wasserloch, natürlich sieht man so was im Dunklen nicht. Mit einer nassen Sandale gönne ich mir auf den Schreck einen scharfen Thai-Salat und einen Chardonnay von Hardy. Dabei treffe ich einen der Mitfahrer von der Bootstour. Er ist Ingenieur aus
Sydney und wir unterhalten uns nett.
Webadressen:
https://www.fitzroyriverlodge.com.au/index.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Geikie-Gorge-Nationalpark
https://www.darngku.com.au/
Wetter: ca. 32° Grad, teilweise wolkig
Gefahrene km: 312

 Geikie Gorge




24.04.2012 > Fitzroy Crossing – Kununurra <

In der Nacht gibt es Sturm vom feinsten, aber das hat den Vorteil, dass es erheblich abkühlt. Aufgrund der nunmehr längsten Etappe der Tour, rund 700 km liegen vor mir, bin ich früh auf. Um kurz nach 8 h checke ich bereits aus und tanke an der zur Lodge gehörenden Tankstelle das Auto auf. Zunächst ändert sich nicht allzu viel an der bereits bekannten Landschaft. In Halls Creek (das war eigentlich mein gewünschter Übernachtungsort, weil die Etappe rund 250 km kürzer gewesen wäre, aber sowohl Visitor Centre wie auch die Hotels haben mich einer Antwort nicht für würdig befunden) halte ich nur zu einem weiteren Tankstopp. Nachdem ich den Ort nun live sehe, bereue ich meine Entscheidung für Fitzroy Crossing nicht. Kurz nach Halls Creek wird der Himmel zunehmend dunkler, bis zum Zielort brauche ich keine Sonnenbrille mehr. Es fängt an zu tröpfeln und mutiert zu richtigen Schauern. Langsam wird mir mulmig, denn einige Bäche laufen fast schon über. Und richtig, an 2 Floodways steht das Wasser bereits Unterkante Oberlippe, noch ein Tropfen mehr und der Straßenverlauf wäre nicht mehr zu erkennen. In den Kimberleys muss es massiv geregnet haben, sonst gäbe es nicht das extreme Hochwasser. Hügel wechseln sich mit Ebenen fast ohne Bäume und Sträucher ab. Es gibt sogar richtige Kurvenfahrten bergauf und bergab. Die Straßenränder werden entsprechend der Hinweisschilder von Rindern und Pferden bevölkert. Hinzu kommen insgesamt 3 Radfahrer; bei denen weiß ich allerdings nicht, ob ich sie bewundern oder bedauern soll. Zumal ich mich auch frage, wo die denn wohl nächtigen werden. Auf jeden Fall gibt mir die heutige Fahrt einen kleinen Eindruck darauf, wie es denn wohl wäre, mitten durch die Kimberleys auf der Gibb River Road zu fahren. Vor allem hatte ich Bedenken, dass die Fahrerei zu eintönig werden würde, das ist sie allerdings keineswegs.

Gegen 14:30 h komme ich an den Abzweig des Victoria Highway No 1 Richtun
g Kununurra  (das wird übrigens wie mit 2 a und ziemlich schräg ausgesprochen, soviel habe ich inzwischen gelernt). Am Staudamm des Lake Kununurra wird gebaut, wie bei uns in den Alpen läuft die Straße darüber. Das Visitor Centre zum Abstauben von Prospekten ist eine Enttäuschung. Also suche ich einen Supermarkt, um die erforderlichen Einkäufe zu tätigen, da der Mittwoch ANZAC-Day ist, der höchste australische Feiertag. Schließlich erreiche ich den Hidden Valley Tourist Park und checke ein. Meine Buchung liegt vor, ich muss nur noch bezahlen, wie üblich mit Kreditkarte. Da ich für den 25. einen großen Rundflug zu den Bungle Bungles gebucht habe, benötige ich noch die Abholzeit. Ein Telefonat ergibt mal wieder keine Ahnung von gar nichts. Meine Buchung soll vorliegen, die Bezahlung nicht. Wie gut, dass ich alles und jedes mitgeschleift habe. Nach Nennung der Buchungsnummer ist oh Wunder auch mein Geld seit fast 6 Monaten eingegangen. Die gebuchte Cabin liegt günstig direkt am Eingang. Perfekt, wie erwartet, eingerichtet mit Veranda und eigenem Parkplatz. Ich werfe noch schnell 2 Maschinen Wäsche an, dann hält mich absolut nichts mehr vom Pool ab.
Webadressen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kununurra
https://www.hiddenvalleytouristpark.com/
Wetter: von allem etwas, 28 – 32Grad

Gefahrene km: 643


 
25.04.2012 > Kununurra < ANZAC-DAY!!!
Es wäre besser gewesen, ich wäre heute im Bett geblieben und hätte mich nicht gerührt, aber dann wäre ich wahrscheinlich aus dem Bett gefallen und hätte mir den Hals gebrochen. So viele  „wäre“ und „hätte“, aber nun der Reihe nach. Gegen 8:15 h stehe ich mit Sack und Pack an der Einfahrt zum Touristpark und warte auf die Abholung durch Slingair für den gebuchten Rundflug. Als sich bis 8:30 h nichts tut, frage ich an der Rezeption nach. „Es könne schon mal zu Verspätungen kommen“. Gegen 8:45 h erscheint der Tourbus, ruft aber nicht meinen Namen auf, sondern  von jemand anderem, der  einen anderen Flug gebucht hat. Auf meinen Einwand werde ich gebeten, mitzufahren, bekomme aber gleich zu hören, dass der Flug bereits unterwegs sei. Letztendlich erfahre ich schließlich bei Slingair, dass ob des Wetters alle Flüge in die Bungle Bungles für die nächsten 48 Stunden gecancelt sind. Da ich am Freitag bereits Richtung Katherine unterwegs sein muss, beiße ich in den sauren Apfel und akzeptiere den für 6:00 h angebotenen Rundflug, eine Landung wird weiterhin ausgeschlossen, da alles unter Wasser steht. Der Flug ist wesentlich günstiger und ich bekomme 196$ zurückerstattet. Bleibt nur zu hoffen, dass  sowohl das Wetter wie auch die Sicht, die heute zu Annullierungen  von Flügen auch mit anderen Zielen geführt hat, am Freitagmorgen mit mir sind. Heißt zwar, dass ich bereits um 5:15 h abgeholt werde, aber das nehme ich in Kauf.

Nach ausführlicher Beratung mit der Rezeption entschließe ich mich zur Wanderung in den anliegenden Mirima NP (heißt übersetzt Hidden Valley), wonach auch dieser Touristpark benannt ist. Das spart mir zudem noch die Eintrittsgebühr, die nur von Fahrzeugen erhoben wird. Der NP wird auch gerne als die kleinen Bungle Bungles bezeichnet. Wie auch dort, findet man hier zerklüftete Sandsteindome, abwechselungsreiche Wanderpfade und ein intaktes Tierleben, von dem ich allerdings nicht viel sehe. Ich entscheide mich für den Didbagirring Trail, der steil den Berg hinauf führt. Die Aussicht auf die Stadt und die nähere Umgebung ist wunderschön. Als ich noch etwas höher zu einem Aussichtspunkt krabbele, passiert es, der Fels unter meinem Fuß bricht und schrammt mir das komplette linke Schienenbein auf. Es blutet heftig und ich mache erst mal Pause in Sachen Selbst-Ersthelfer. Nicht umsonst warnen überall Schilder vor den instabilen Felsen. Auf dem Rückweg werde ich von einem deutsch-australischen Ehepaar auf meine Blessuren angesprochen und wir kommen nett ins Gespräch. Kurz vor Erreichen des Touristparks trete ich auf einen Ast, der sticht mir oberhalb der Wanderschuhe spitz in eine kleine Blutader am rechten Schienenbein. Das Blut spritzt hervor und läuft mir in  Socken und Schuh. Um die Blutung zu stillen, stopfe/presse ich Tempotaschentücher auf die Wunde, ziehe den Socken drüber und schleppe mich stark humpelnd zurück. Jemand sieht mich und schickt mich zur Erstversorgung zur Rezeption; leider geschlossen wegen Mittag. Gerade will ich mich auf die Veranda zur Versorgung setzen, kommt ein nettes Ehepaar mit einem riesigen Erste-Hilfe-Kasten und ich bekomme eine erstklassige Versorgung. Alles wird sauber mit einem Desinfektionsmittel unter Verwendung von Einweghandschuhen gereinigt. Glücklicherweise blutet das Loch im Schienbein nicht mehr. Tyrosur habe ich selbst dabei und ein Pflaster deckt alles ab. Den Socken wasche ich aus, man glaubt gar nicht, wie rot das Wasser ist. Danach humple ich zur Rezeption, allenthalben bedauert, da sich mein Missgeschick schon verbreitet hat.

Lake Argyle heißt mein morgiges Ziel und ich buche die Morgentour auf dem Lake. Kostet für 2 Stunden die Kleinigkeit von 70$ incl. Verpflegung, aber Selbstanreise > 40 km. Bei Coles, die haben trotz Feiertag geöffnet, fülle ich meinen Pflastervorrat auf, denn davon werde ich jetzt noch mehr brauchen. Ich schaue mir „The Ord River Irrigation Sheme“ > das Bewässerungsprojekt am Ord River an. Seit 1963 wird der wasserreiche Ord River im Lake Kununurra gestaut und im nächsten Schritt 1972 wurde der Fluss mit dem Ord River Dam überbaut. Mit der Bewässerung, das Wasser wird ausschließlich in der Regenzeit gewonnen, ist es nun möglich, umfangreiche Landwirtschaft zu betreiben. Riesige Fruchtplantagen werden mit dem Wasser bewässert, von der Olive bis zur Banane gedeiht hier alles, dafür spricht auch ein Jahresumsatz von rund 70 Mio. $.

Nächstes Ziel ist der
Celebrity Tree Park, von wo aus man den Sleeping Buddha sehr gut sehen kann. Das ist eine Felsformation, die so aussieht wie sie heißt. Zum Schluss besuche ich noch die Zebra Rock Gallery. Das gestreifte Gestein in meist rotbraunen oder weißgrauen Abstufungen wird südlich der Stadt abgebaut und zu Souvenirs verarbeitet. In der Zebra Rock Gallery
werden die Steine geschliffen, poliert und dann in allen möglichen Formen verkauft. Allerdings erscheinen sie mir ziemlich teuer. Zum Abschluss des misslungenen Tages werfe ich mich nochmals in den fast 30°Grad warmen Pool, weil Salzwasser bekanntlich Wunden reinigt und desinfiziert. Ach, und einen leichten Sonnenbrand habe ich auch auf den Oberarmen und im Nacken. Aber dank der Aloevera-Wundersalbe von 2010 ist er schon fast weg.
Webadressen:
https://de.wikipedia.org/wiki/ANZAC_Day
https://de.wikipedia.org/wiki/Mirima-Nationalpark
https://en.wikipedia.org/wiki/Ord_River
Wetter: teils Wolken bis komplett bewölkt, ca. 28°Grad

Gefahrene km: 64


Kununurra > Mirima N.P.



Kununurra > Sleeping Buddha

 
26.04.2012 > Kununurra <
Nach einer gut geschlafenen Nacht, das Loch im Schienbein zwickt nur zwischendurch etwas, klingelt der Wecker schon wieder um 7 h. Aber das bedeutet für mich ja schon langes Schlafen.

Die Tour am Lake Argyle startet um 9:15 h und ich habe etwa 40 km vor mir. Von Kununurra geht es erneut über den Victoria Highway No 1, dieses Mal Richtung Katherine im Northern Territory. Nach ungefähr 35 km zweigt die Straße zum Lake rechts ab. Von da an ist die Strecke sehr abwechselungsreich und ich komme mir vor wie auf dem Weg in die Alpen, nur dass die Berge hier rot sind. Erneut passiere ich einen wasserführenden Floodway, um danach die one-way-Bridge über den River Bow zu befahren. Die Straße windet sich immer mehr, das Tempo ist auf 80 km/h reduziert. Hinter einer Hügelkuppe liegt Argyle Village, das halte ich allerdings für stark übertrieben. Ein Campingplatz, ein Restaurant mit Laden und einige Häuschen, das war’s; bei uns würde man schlicht sagen: was für ein Kaff. Der Tourbus kommt pünktlich, um uns die wenigen Kilometer zum Ufer des Lake Argyle zu fahren. Die letzten 100 m sind Gravelroad vom feinsten mit einem Gefälle von 13,5 %! Unten wartet bereits die „Kimberley Durack“, ein 50 Personen fassender Katamaran. Mit mir treten nur noch weitere 11 Leutchen die Morning Cruise über 2 Stunden an.

Lake Argyle ist mit rund 740 km² Australiens größter Frischwassersee. Sein Wasservolumen übertrifft das von Sydney Harbour um das Zwanzigfache. Er erstand 1971, nachdem der Ord River Dam vollendet wurde. Im See leben über 30000 Süßwasserkrokodile, von denen wir aber nur ein einziges sehen und selbst das kriege ich nicht vor die Linse. Weitere sehenswerte Viecher sind: Wallabies, Walleroos, etwa 270 Vogelarten, 26 Fischarten und 3 Schildkrötenvariationen. An einem Ufer liegt die Argyle Diamond Mine. Die Schürfmenge beträgt jährlich etwa 3 Mio. Karat, was etwa 6 – 7 Tonnen Diamanten entspricht. Damit ist die Mine der weltgrößte Lieferant für Diamanten. Besonders bekannt ist die Mine für seltene pinkfarbene Diamanten. Irgendwann nach 2008 wurde der Tageabbau nach unter Tage verlegt, hier soll er noch bis mindestens 2018 lukrativ sein. Ganz aus der Nähe sehen wir ein Rockwallaby sowie eine Falkenart, die ich hier schon fast auf der Straße überfahren hätte. Es gibt traditionell morning tea mit kleinen Küchlein (sehr lecker, aber keine Ahnung, was es ist). Sobald wir auf die großen freien Wasserflächen kommen, ist der Seegang ganz schön ruppig. Der Katamaran schafft lockere 50 km/h, entsprechend ist die Gischt, die der Bug aufwirft. Nach guten 2 Stunden sind wir am Anleger zurück und der Tourbus bringt uns ins Village zurück.

Ich nutze die Gelegenheit und fahre noch über den Abschlussdamm in das Tal de
s River Ord, eine wildromantische Felsenschlucht. Auf dem Rückweg suche ich in Kununurra eine Apotheke auf, um vorsichtshalber weiteres Desinfektionsmaterial zu kaufen. Es gibt hier so Minipäckchen mit jeweils einem in Desinfektionsmittel getränkten Stück Gaze, das ist genau das Richtige für mich. Die Apothekerin schaut sich das Bein an, es fühlt sich um das Loch etwas warm an und sieht rot aus. Sie meint aber, solange es so bliebe, wäre alles okay. Auf dem Rückweg zum Tourist Park fahre ich noch den Kelly Knob Lookout hinauf. Er bietet einen weiten Blick über Kununurra und die Umgegend. Aber ehrlich gesagt, waren die Aussichten gestern besser. Zurück in meiner Cabin packe ich ein Stück Gaze auf das Loch (brennt zwar wie Feuer) und siehe da, nach jetzt ungefähr 2 Stunden ist nichts mehr warm oder rot. Mini Liv-Wipe mit 10 % Povidone-Iodine heißt das Zeug. Bei dem schönen Wetter lockt mich nunmehr erneut der Pool.
Webadressen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Lake_Argyle
www.lakeargyle.com  > triple j tours on lake argyle
Wetter: wolkenlos, bis 32°Grad

Gefahrene km: 154




 Lake Argyle

 Rockwallaby

 River Ord

 
27.04.2012 > Kununurra – Katherine <
Das frühe Aufstehen fällt mir gewohnheitsgemäß nicht schwer. Gegen 5:20 h ist der Tourbus von Slingair mit dem Piloten Jack persönlich zur Abholung da. Alles ist okay, der Flug findet statt. Kein Wölkchen trübt den Himmel und es scheint windstill zu sein. Es erstaunt mich denn doch, dass da so etwa 9 Leutchen auf den Flug im Büro warten. Gewicht ermitteln, Versicherung unterschreiben und dann erstaunt es mich noch mehr, dass 2 Piloten mit mir und noch einem Mitflieger, einem Aussie aus Brisbane zu einer Maschine gehen. Das Flugzeug ist eine sechssitzige Cessna 210 Citation. Schnell erkenne ich, dass es sich um einen Trainingsflug handelt. Der eigentliche Pilot sitzt als Lehrer rechts und der Schüler links. Man sagt ja allgemein, dass das die sichersten Flüge sind, weil am gewissenhaftesten vorbereitet. Wir werden mit Kopfhörern ausgestattet, um unterwegs Informationen aufnehmen zu können.

Über die Obstplantagen von Kununurra geht es Richtung Lake Argyle. Erst jetzt ist zu erkennen, wie groß der See wirklich ist. Über dem Wasser bockt die Maschine ein wenig, aber das ist völlig harmlos. Weiter geht es über endloses Stationland. 2 große working cattle station teilen sich alles. Jede kümmert sich um etwa 20000 Stück Rindvieh. Der Chef von Argyle Station lebt mittlerweile in Belgien. Das Vieh verkauft sich besonders gut, ob des Wassers überall ist das Gras besonders gut und macht das Fleisch extrem schmackhaft.

Im Hintergrund erscheinen die Bungle Bungles oder auch Purnululu National Park. Der 2398 km² große Park ist eine der eindrucksvollsten Landschaften Westaustraliens. Bekannt ist er für seine orange-schwarz gestreiften Sandsteindome der Bungle Bungle Range, die aus der Luft wie riesige Bienenkörbe aussehen. Zwischen den Bergen liegen tiefe Täler, einsame Schluchten und palmgesäumte Teiche. Die Bungles wurden erst Mitte der 80ziger Jahre entdeckt und erschlossen. Bereits 1987 erfolgte die Benennung des Nationalparks und 2003 die Erhebung zum UNESCO Weltnaturerbe. Die Felstürme sind Überreste eines ehemals geschlossenen Sandsteinplateaus. Durch gewaltige Flusssysteme, Wind und Regenfälle wurde das Plateau in den letzten 20 Mio. Jahren von Furchen und Tälern durchzogen. Durch den Einschluss von Eisenoxid (orange) und Cyanobakterien (schwarz), die den einst weißen Sandstein zusammenhalten, wird eine schnelle Erosion verhindert und die Felsen erhalten dadurch ihre Streifen.

Aufgrund der Erläuterungen unserer beiden Piloten bedaure ich es nochmals zutiefst, dass der ursprünglich geplante Flug nicht zustande kam. Darin enthalten ist die Wanderung zum berühmtesten Punkt in den Bungles, der Cathedral Gorge. Die ist so groß, dass das komplette Sydney Opera House darin Platz findet. Aber ich bin schon froh, dass dieser Flug jetzt stattfindet. Auf dem Rückflug kreuzen wir nochmals Lake Argyle und machen einen Schwenk über die Diamantenmine. Dazu gehört ein Airstrip von 2300 m Länge, der damit sogar Boing 737 die Landungen erlaubt. Bedient wird der Platz von Skywest, einer regionalen Fluggesellschaft in Western Australia. Am Boden wird uns eine DVD eines Hubschrauberfluges über die Bungles überreicht.

Nach der Rückkehr zum Hidden Valley Touristpark packe ich nur noch das Auto und checke aus. Gegen 8:45 h bin ich bereits auf dem Victoria Highway No 1 Richtung Katherine. Nebenbei erwähnt habe ich bereits folgendes an Fauna während der Fahrten gesichtet: jede Menge Rindviecher, viele Pferde > sind aber keine Brumbies, 2 Dingos, 1 Ziege, 1 Schlange, die in einem rasenden Tempo über den Highway von links nach rechts rotierte (Länge ca. 50 cm, welche?) und jede Menge Greifvögel, bei denen ich vermute, dass es Falken oder Habichte sind. Die australische Bezeichnung lautet Kite > Milan (auch bekannt als little-chicken-killer!). Etwa 50 km hinter Kununurra treffe ich auf die Grenze zwischen Western Australia und dem Northern Territory. Die Uhrzeit muss um 1 ½ Stunden vorgestellt werden.

Das Northern Territory nimmt ungefähr 1/6 der Gesamtfläche Australiens ein und ist Heimat von rund 230000 Menschen, von denen rund die Hälfte in der jetzigen Hauptstadt Darwin lebt. Aufgrund des Sonderstatus als Territory wurde es bis 1978 von der Hauptstadt Canberra aus verwaltet. Western Australia ist der größte Bundesstaat mit rund 2,3 Mio. Einwohnern, von denen rund 1,5 Mio. in Perth leben. Deutschland passt in voller Größe 5x hinein.

Die Fahrt ist zunächst etwas eintönig, wird aber im Bereich des Gregory National Park sehr interessant. Dort treffe ich auf den Victoria River, den ich auf einer Brücke, die am anderen Ufer endet, ablichte. In Timber Creek (auch so ein namenloses Kaff) tanke ich das Auto auf. In Western Australia beträgt die Höchstgeschwindigkeit 110 km/h, im Territory sind es immerhin 130 km/h. Aber ich habe mich so an meine Geschwindigkeit von gut 100 km/h gewöhnt, dass ich sie beibehalte. Häufig fahre ich mit teils offenem Seitenfenster, obwohl das Fahrzeug eine Klimaanlage hat. Dadurch merke ich sehr schnell, wenn mal wieder ein Kadaver von was auch immer am Straßenrand liegt, dann stinkt es einfach nur widerlich. Etwa 50 km vor Katherine entdecke ich 2 kleinere Buschbrände direkt am Straßenrand. Die Kites hocken in einem Schwarm von mehr als 50 Tieren mitten auf der Straße und es kommt wie es kommen muss, beim Hochfliegen kann eines der Tiere nicht mehr ausweichen und knallt mit voller Wucht an den linken Seitenholm der Frontscheibe. Glücklicherweise ist außer einem Schreck für mich nichts passiert, auch das Auto hat keine Macke.

In Katherine trifft der Victoria Highway auf den berühmten Stuart Highway, der mitten durch den Ort führt. Zunächst suche ich ein Einkaufszentrum auf, um mich für das bevorstehende Wochenende zu bevorraten. Das Visitor Centre liegt günstig nebenan und ich informiere mich über alle Besonderheiten. Die Nitmiluk Gorge (auch Katherine Gorge) ist frei zugänglich, nur mein eigentliches Ziel die Leliyn Falls sind nur teilweise zugänglich. Vor über 12 Monaten wurde dort ziemlich viel durch Hochwasser zerstört und der Wiederaufbau läuft immer noch. Letztendlich führt mich das Navi zu meinem Hotel. Eingecheckt und wieder ist ein Tag um. Ich beziehe ein geräumiges Zimmer mit wie üblich in Australien, Kühlschrank, Toaster, Heißwassergerät und Spüle. Ein Balkon gehört, da das Zimmer im 1. Stock liegt, auch noch dazu.
Webadressen:
https://slingair.com.au/2011/03/bungle-bungle-flydrive-tours/
https://de.wikipedia.org/wiki/Bungle_Bungle
https://de.wikipedia.org/wiki/Katherine
https://www.katherineriverlodge.net/
Wetter: wolkenlos, bis 30°Grad

Gefahrene km: 510

 Cockpit Cessna Citation 210



 Bungle Bungle N.P.



 Lake Argyle

 Diamantenmine

28.04.2012 > Katherine <
So ganz nebenbei habe ich gestern die ersten 2000 km abgefahren. Das merkt man bei den hiesigen Entfernungen überhaupt nicht. Mein Funkreisewecker spinnt. Hat er bislang immer brav das angezeigt, womit ich ihn füttere, zeigte er gestern Abend plötzlich eine Landkarte der USA und wollte mir weismachen, ich sei an der Westküste, allerdings ohne ein Funksignal anzuzeigen. Da ich ihn auf die Territory-Zeit einstellen wollte, fiel mir das auf. Heute Morgen zeigt er plötzlich ein Funksignal (das erste Mal überhaupt, seit er Australien bereist) und eine Uhrzeit, die um 30 Minuten von der tatsächlichen abweicht. Jetzt habe ich das Zeichen für Sommerzeit entfernt, mal schauen, was er davon hält.

Nichtsdestotrotz stehe ich kurz vor 8 h auf und schlage nach den üblichen Verrichtungen den Weg Richtung Nitmiluk National Park ein. Die Straße führt am Hospital vorbei, davor liegt der Friedhof, sehr praktisch gelöst. Autofahrer werden bei Beerdigungen gebeten, langsam zu fahren und nicht zu „glotzen“. Der Park ist in zwei Abschnitte aufgeteilt, zum einen die Katherine Gorge und zum anderen die Leliyn Falls, beide liegen ca. 80 km (per Auto) voneinander entfernt. Aufgrund der Auskünfte gestern im Visitor Centre entscheide ich mich zunächst für die Gorge.

Die Katherine Gorge besteht aus 13 miteinander verbundenen Schluchten, die von hohen Sandsteinwänden umgeben sind. An verschiedenen Stellen befinden sich Felsmalereien und Kultstätten der Aboriginals. Seit 1998 hat sich entschieden was verändert. Vor allem werden nur noch Touren in 3 Gorges angeboten, seinerzeit waren es 5. Wie mir ein Ranger erläutert, angeblich aus Sicherheitsgründen, da man nicht an alle Gorges mit dem Hubschrauber rankommt. Da hat damals auch kein Mensch nach gefragt, aber die People der Jawoyn wollen es so und nicht anders. Jedenfalls ist das ein Grund für mich, keine Bootstour zu buchen. Stattdessen entscheide ich mich für eine Wanderung, wobei ich 2 verschiedene Tracks nutzen muss. Der Baruwei Loop Walk führt am Ufer des Katherine River entlang und steigt steil empor. Unterwegs erwische ich die ersten Kängurus mit allen Geräten. Der Aussichtspunkt hoch oben über dem Fluss ist ganz nett. Der Fluss wimmelt übrigens seit geraumer Zeit nicht nur von Freshies sondern auch von Salties. Darum ist Baden strengstens verboten. In Hochwasserzeiten haben Salties schon in Katherine auf den Wohnzimmertischen gehockt. Weiter geht es Richtung Southern Walks, denn hier zweigt der Windolf Walk ab. Dieser führt auf den Höhen der Gorges zu einem Aussichtspunkt und der Krönung des Ganzen, nämlich dem Southern Rockpole. Kurz vor dem gemsenartigen Abstieg zum Pool stürzt ein kleiner Bach irgendwo in die Tiefe und bildet die spektakuläre Kulisse für das glasklare Wasser des Rockpole. Baden ausdrücklich erlaubt, aber mehr als schweinekalt. Daher mache ich hier meine Mittagspause und halte währenddessen die Füße ins Wasser. Natürlich muss ich die Gemsensteige auch wieder hoch. Patschnass vor Schweiß komme ich oben an, während des weiteren Marsches trocknet das Salz auf der Haut und bildet einen feinen weißen Film, selbst die Ohren sind davon nicht ausgenommen. Schließlich und endlich komme ich nach ca. 8 km wieder am Parkplatz an und schütte trotz Mitnahme eine weitere 1 ½ ltr. Flasche Wasser in mich hinein. Außer Ausschwitzen kommt nichts raus.

Auf zu neuen Taten und die Richtung heißt via Katherine zu den Leliyn Falls. Dabei fahre ich zunächst ein ganzes Stück auf dem bekannten Stuart Highway, der Australien von Darwin bis Adelaide durchquert. Unterwegs kreuze ich die Trasse des Ghan, den Bahnhof von Katherine hatte ich gestern schon gesehen. Aber ohne Ghan ist das alles langweilig. So sind auch die Leliyn Falls. Ein riesiger Pool voll des schönstens Wassers zum Schwimmen, aber alles gesperrt, weil auch hier Freshies aufgetaucht sind. Der Loop zum Upper Fall geht nochmals über 2 Stunden. Das tue ich mir nicht weiter an und fahre zurück. Die Dusche löst das Salz und ich fühle mich pudelwohl. Heute Abend werde ich im Restaurant Barramundi essen.
Webadressen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Nitmiluk-Nationalpark
Wetter: wolkenlos, bis 35°Grad

Gefahrene km: 184




 Katherine Gorge:Nitmiluk N.P.



Nitmiluk N.P. > Southern Rockpool

Nitmiluk N.P. > Leliyn Falls

29.04.2012 > Katherine <
Der Barramundi war genial lecker, das ist übrigens ein Fisch, der sowohl im Süß- wie im Salzwasser lebt und keine Gräten hat. Das Fleisch ist völlig weiß. Für den heutigen Tag hatte ich in meiner Planung den Litchfield National Park vorgesehen. Dabei aber 2 Dinge übersehen, zum ersten ist heute Sonntag und halb Darwin hatte die gleiche Planung und zum anderen habe ich mich völlig mit den Kilometern verrechnet. Was soll’s, ich war da und es war schön.

Die Fahrt geht über den Stuart Highway Richtung Darwin vorbei an Pine Creek mit der Bonrook Station, wo 1998 mein Australien-Fieber geboren wurde. Abgebogen bin ich nicht, ich will das so in Erinnerung behalten, wie es damals war. Immer wieder ist das glitzernde Schienenband der Strecke des Ghan parallel verlaufend zu sehen oder der Highway kreuzt. Ich sehe einen Güterzug, das ist nicht viel. Denn die Trucker der Road Trains fürchten die Eisenbahn als Konkurrenz und betrachten sie auch so. Angeblich soll bereits die Hälfte der Transporte mit der Eisenbahn laufen. Der Litchfield National Park befindet sich etwa 100 km südlich von Darwin und ist  1461 km² groß. Die Vegetation ist zum größten Teil üppig tropisch. Typisch sind die großen Termitenhügel > Magnetic Termite Mounds. Die Erbauer sind Kompasstermiten, die ihre Bauten streng nach der Sonnenstrahlung in Nord-Süd-Richtung ausrichten. Der höchste dieser Bauten ist ca. 5 m hoch. Über den ganzen Park verteilen sich Wasserfälle und natürliche Pools. Leider ist nur an 2 Stellen das Baden erlaubt, ansonsten gilt das gleiche Verbot wie bereits im Nitmiluk National Park. Es sind immer noch viele Salties in freier Wildbahn und das ist einfach zu gefährlich.

Zuerst fahre ich zu den Cascades, um vor Ort festzustellen, dass das Erreichen wieder mit schweißtreibender Wanderung über mindestens 1 km > lower cascades verbunden ist, die upper liegen noch weiter. Ich trotte brav den Pfad entlang bis zu einem querenden Bach. Da ich keine Möglichkeit entdecke, diesen auch nur halbwegs trocken zu queren, sage ich danke und kehre um. Nächstes Ziel sind die Wangi Falls. Ein wunderschöner Badeteich liegt vor den beiden Wasserfällen; Baden verboten wegen der Salties. Laut Beschreibung folge ich einem Pfad, der oberhalb der Wasserfälle verläuft, wieder äußerst schweißtreibend. Die Telmer Falls kann man nur von gegenüber bewundern, da sie in eine tiefe Schlucht fallen. Auf zu den Florence Falls, da fallen die Aussies in Scharen ein. Wunderschön stürzen die Falls in einen Badeteich, aber 450 Stufen abwärts, irgendwann habe ich dazu keine Lust mehr. Zumal in der Nähe noch mehrere Rockpools sind, die Buley Rockholes. Das hätte ich mir besser erspart. Vor lauter „Fleisch“ ist kaum noch Wasser zu sehen. Mit Luftmatratzen, Gartenstühlen und sonst was werden die Ufer gefüllt. Flucht ist der einzige Ausweg. Auf dem Rückweg fallen mir erhebliche Rauchschwaden auf, der Geruch kommt dazu, der Busch brennt an vielen Stellen und das, obwohl die Anzeige der Feuergefahr bei „grün“ steht. Ich fahre wieder mit teils offenem Fenster, da rieche ich die Cattle-Road-Trains schon von weitem. Kurz vor den Leliyn Falls führt der Highway über den Edith River, parallel dazu die Eisenbahn. Das ist die Stelle, die Anfang März unter dem fahrenden Zug zusammen gebrochen war, weil alles unter Wasser stand.
Webadressen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Litchfield-Nationalpark
Wetter: wolkenlos, bis 35°Grad

Gefahrene km: 639




Termitenburg, Litchfield N.P. 

Litchfield N.P. > Wangi Falls

Litchfield N.P. > Telmer Falls

Litchfield N.P. > Florence Falls

 
30.04.2012 > Katherine – Jabiru (Kakadu National Park) <
Nach einer ruhigen Nacht bin ich früh auf, um die Strecke in den Kakadu National Park, genauer gesagt, nach Jabiru zu fahren. Der Kakadu National Park hat vor einigen Jahren eine wohl eher negative Bekanntheit durch die Filme um Crocodile Dundee erfahren. Die doch etwas naiven Asiaten glauben immer noch, dass es Walkabout Creek wirklich gibt und sie dort im Pub mit Wally und Donk ein Bier trinken können.

Die Fahrt geht zunächst wieder über den Stuart Highway, auf der Höhe von Pine Creek zweigt der Kakadu Highway ab, um nach ungefähr 60 km auf die Grenze zum Nationalpark zu stoßen. Ob der doch schon vielen gesehenen Buschbrände frage ich mich die ganze Zeit, ob die hier üblichen Überlandleitungen, die teils über die Brände führen, danach wohl noch funktionsbereit sind. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass die jedes Mal erneuert werden, das wäre wohl ziemlich teuer und unproduktiv.

Der Kakadu National Park ist mit  19804 km²der größte Nationalpark in Australien und zählt zum UNESCO-Welterbe. Die Landschaft wechselt zwischen rauen Steilwänden, spektakulären Schluchten, brausenden Wasserfällen und weitläufigen Feuchtgebieten. Hier leben die großen Salzwasserkrokodile. Für das Befahren/Betreten des Parks benötigt man als Nichteinwohner des Northern Territory ein Permit. Dieses ist 14 Tage lang gültig und kostet 25$ und man kann es auch per Internet erwerben; hier ist es ständig mitzuführen. Unterwegs sehe ich meine zweite Schlange in gelbgrünen Farben. Sie wird mich in schlechter Erinnerung behalten, da sie nicht schnell genug war, bin ich ihr über die zweite Körperhälfte gefahren.

Mein erstes Ziel ist der Nourlangie Rock mit seinen über 20000 Jahre alten Aboriginal-Felsmalereien. Glücklicherweise füllt sich gerade ein Reisebus mit schnatternden Asiaten und fährt davon. Die Felsmalereien gehören zu den schönsten im Park und man kann einige davon besichtigen. Sie unterscheiden sich nach vollflächig gefüllten Figuren und der s. g. Röntgenmalerei; wobei mir letztere besser gefällt. Rund 1 ½ Stunden bin ich auf dem Nawurlandja Lookout Walk unterwegs. Entlang des Escarpments (Abbruchkante) sieht man immer wieder weit in den Park hinein. Irgendwie ist der Mythos der Vergangenheit zu spüren, zumindest dann, wenn ich mich alleine irgendwo hinhocken kann. Der Nourlangie Rock selbst ist ein sehr beeindruckender Felsen. Vor großartigen Unternehmungen wird wegen der Hitze ausdrücklich gewarnt.

Im Bowali Visitor Centre versorge ich mich mit allen noch fehlenden Informationen. Die Hauptstadt des Parks heißt Jabiru. Lange vor dem Nationalpark wurde sie für die Arbeiter von Australiens einziger nahegelegener Uranmine gegründet. Dabei hat Australien gar keine Atomkraftwerke. Das Uran wird ausschließlich exportiert und hat sowohl den australischen Staat als auch die Aboriginals, auf deren Grund die Mine liegt, reich gemacht.

Meine Übernachtung ist im
Lakeview Park. Dort habe ich einen Bush Bungalow für 2 Nächte gemietet. Der Bungalow ist mitten unter die uralten Bäume gebaut. Dazu gehört ein zweigeteiltes Servicegebäude, das ich mir mit einem anderen Bungalow teile, aber alles mit eigenem Schlüssel. Der Bungalow steht auf Stelzen und ist recht komfortabel eingerichtet. Von innen sieht man alles was draußen passiert, aber nicht umgekehrt; das wär’s noch. Natürlich hört man auch die komplette Natur ringsum. Einzig die Moskitos sind wieder sehr aufdringlich, aber dafür habe ich noch genug von dem in Broome gekauften Superspray. Für den nächsten Tag wollte ich eigentlich eine Allradtour zu den großartigen Wasserfällen Jim Jim- und Twin-Falls machen, aber die Straßen sind noch gesperrt. Das war aber nach den massiven Regenfällen nicht anders zu erwarten. Daher habe ich umdisponiert und auf eine Combo-Tour zum Ubirr, das ist auch ein Felsen mit Malereien und eine Bootsfahrt auf dem East Alligator River umgebucht. Jetzt sitze ich im stinkfeinen Gagudju Crocodile Holiday Inn Hotel (das ist in Form eines Krokodils gebaut, die Rezeption ist im Maul), schlürfe Kaffee auf Kosten des Hauses und surfe im Internet.
Webadressen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kakadu-Nationalpark
https://www.lakeviewkakadu.com.au/
Wetter: wolkenlos, bis 35°Grad

Gefahrene km: 329


 Nourlangie Rock, Kakadu N.P.



 
Bush Bungalow, Lakeview Park, Jabiru



01.05.2012 > Jabiru <
Die Nacht war etwas unruhig, weil einige Aussies meinten, unbedingt noch nach 22 h ein BBQ veranstalten zu müssen. Der gebratene Fisch hat die ganze Gegend verräuchert. Irgendwann bin ich eingeschlafen. Es ist sehr angenehm, dass die Temperaturen während der Nacht um fast 15°Grad absinken, das verhilft zu einem angenehmen Schlaf.

Die Ranger Mine in Jabiru gehört auch dem allumfassenden Konzern Rio Tinto. Das Uran wurde bislang im Tagebau abgebaut, der Pit ist immerhin 175 m tief. Es wurden neue Vorkommen entdeckt, die den Untertageabbau nunmehr erforderlich machen. All die ganzen Errungenschaften im Kakadu National Park wären ohne die Mine nicht möglich gewesen. Auch hier kommen die riesigen LKW zum Einsatz, die ich schon vor 2 Jahren in der Pilbara gesehen habe. Ein Reifen ist rund 3 m hoch und kostet die Kleinigkeit von 28000$. Die Regierung hat Rio Tinto auferlegt, nach Beendigung des Uranabbaus den kompletten Pit zuzuschütten. Das wird rund 5 Jahre in Anspruch nehmen. Das würde ich mir für die Steinbrüche von Dyckerhoff auch wünschen. Genauso besteht die Auflage, den kompletten Wasserverbrauch wieder zurückzugeben. Es gibt einen umfangreichen Reinigungsprozess und  das Wasser kommt dem Wasserhaushalt des Parks zugute. Die Mine beschäftigt rund 500 Mitarbeiter, bevorzugt Frauen, weil die sensibler mit den technischen Geräten umgehen. Da seinerzeit hier im Nirgendwo einfach nichts war, wurde Jabiru gegründet, das war im Jahre 1965. Jabiru ist dem Portugiesischen entnommen. In Südamerika gibt es eine Art Störche die so heißen, ein ähnlicher Vogel, auch in Storchengröße, ist auch hier zu sehen, das war der Grund für den Namen. Der Ort hat rund 1200 Einwohner und ist sehr großzügig angelegt. Die Minenarbeiter haben einen freien Shuttleservice, eine eigene Kantine, in der sie kostenlos 3 x täglich verpflegt werden. Nicht eines der ganzen Häuser (es gibt keine Wohnblocks) ist in Privatbesitz, sie gehören verbundenen Gesellschaften, die sie entweder kostenfrei oder für bis zu 180$/Woche vermieten. Es gibt 4 Hotels, ein Einkaufszentrum (sauteuer, das Kilo Tomaten kostet 7,88$), Polizei, Schule, Sportzentrum, Krankenhaus und einen Golfclub. Der Lake Jabiru ist ein künstliches Gebilde und sollte der Naherholung mit Schwimmen usw. dienen. Aber die Salties haben den See schon längst erobert. All das habe ich erfahren auf der heute gebuchten Tour zum Ubirr und dem East Alligator River.

Pünktlich um 7:50 h ist der Tourbus, ein riesiges Ungetüm mit 15 Sitzplätzen und Allradantrieb an der Rezeption. Zunächst geht die Fahrt zum Ubirr. Das ist ein Felsen wie der Nourlangie Rock, aber in meinen Augen viel schöner. Auf dem Weg dorthin sind 2 Floodways mit bis zu 1,5 m Wassertiefe zu durchfahren. Für den Bus ist das kein Problem. Der Ubirr liegt an der Grenze des Parks zu Arnhem Land. Arnhem Land ist ausschließlich den Aboriginals vorbehalten. Für den Besuch ist ein Permit erforderlich. Der Ubirr weist ebenfalls an diversen Stellen Felsmalereien auf, wobei das Alter sehr schwankend ist. Die jüngsten Zeichnungen zeigen bereits weiße Männer, zu erkennen daran, dass sie die Hände in den Hosentaschen haben, und sind somit maximal 500 Jahre alt. Auf dem Weg zu den Malereien sehen wir 3 Rockwallabies und eine für mich neue Termitenart. Diese bauen ihre „Nester“ in Bäumen, man sieht die „Straße“, die den Stamm zum Nest hoch führt. Diese Termitenart verwertet Teile des Erdbodens und baut daraus die Nester. Die Aboriginals nutzen die Ausscheidungen als Antiseptikum. Der Name Arnhem Land kommt übrigens von den Holländern, die um 1600 ungerade hier mit 2 Schiffen landeten, eines davon hieß Arnhem. Von Gipfel des Ubirr hat man einen fantastischen Weitblick hinüber nach Arnhem Land mit den angrenzenden Wetlands sowie dem Escarpment auf der anderen Seite. Man glaubt es kaum, aber an dem Abstiegspfad steht tatsächlich eine Rangerin und kontrolliert das Vorhandensein des Park Passes. An einem schattigen Plätzchen am Fuße des Ubirr gibt es Lunch vor der Weiterfahrt zum East Alligator River.

Der Name Alligator kommt in Australien ursprünglich nicht vor. Aber wieder mal hat hier das Schicksal eingegriffen. Ein australischer Reisender namens Robert King bereiste u. a.  Florida und sah und hörte dort von den Alligatoren. Kaum zurück in Australien und zwar genau hier in der Gegend, war er der Meinung, nun alle Flüsse mit dem Beinamen Alligator bestücken zu müssen. Bis er begriff, dass die Biester hier Krokodile heißen, war es zu spät. Krokodile sind nicht umsonst die einzigen bekannten Relikte aus der Zeit der Dinosaurier. Sie sind sehr clever, sie haben nämlich ein Gehirn von der Größe einer Walnuss, ähnlich wie unsere liebsten Vierbeiner, die Hunde. Hinzu kommt durch die seitlich am Kopf liegenden Augen ein fast 360°-Rundumblick. Sie sind 14 x reaktionsschneller als der Mensch und können bis zu 2 Stunden unter Wasser ausharren. Das erklärt auch, warum ein Opfer einfach nur ertrinkt, wenn es von einem Krokodil geschnappt wird. An Land entwickeln die Biester eine Geschwindigkeit von ca. 16 km/h.

Am
East Alligator River erwartet uns ein Boot des dort ansässigen Aboriginalvolkes der Guluyambi. Ein ebensolcher Führer erzählt uns sehr viel über die Lebensweise und das sehr eindrucksvoll. Alles, was die Natur bietet, wird verwertet. Um einen Aboriginal zu fotografieren, muss man übrigens vorher um Erlaubnis fragen; einige sind in dem Glauben befangen, dass das Foto ihre Seele einfängt.  Salties sehen wir leider keine, aber dafür einen Jabiru. Wir landen kurz auf der Seite von Arnhem Land und der Führer demonstriert uns anhand mitgebrachter Speere, wie weit man damit werfen kann; einfach nur beeindruckend. Zurück am Anlegesteg gibt es eine Erfrischung in Form von diversem Obst in einer Box. Der Führer verabschiedet uns mit den Worten „bobo“, was unserem „tschüss“ entspricht. Der Bus bringt uns zurück nach Jabiru in unsere Hotels.
Webadressen:
www.kakaduculturaltours.com.au
Wetter: nachmittags zunehmend bewölkt, bis 38°Grad




 Baumtermitennest


Kakadu N.P. >
Blick nach Arnhem Land


Kakadu N.P. > East Alligator River


 
02.05.2012 > Jabiru – Mataranka <
Böse Überraschung am vergangenen Abend, im kompletten Lakeview Park fällt für mehr als 10 Minuten der Strom aus. Leider kann man nicht erkennen, ob das lokal begrenzt ist oder ganz Jabiru betroffen ist. Der Strom kommt nämlich auch, wie sollte es anders sein, aus der Ranger Mine.

Da ich die Fahrt Richtung Stuart Highway noch mit einem Einkauf und Tanken in Katherine verbinden will, bin ich wieder schon gegen 8 h unterwegs auf dem Kakadu Highway No. 21. Prompt beschert mir das einen riesigen Schwarm weißer Kakadus. Nach der abendlichen Fotosichtung bin ich mir nicht mehr darüber im Klaren, zu welcher Unterspezies sie gehören. Die Abfahrt nach Cooinda zu den Yellow Waters nehme ich auch mit, in der Hoffnung, am Lookout noch etwas sehen zu können. Ob der frühen Zeit ist die Straße dorthin leider noch gesperrt, Pech gehabt.  In Katherine hege ich die Hoffnung auf den „Ghan“, der von Darwin unterwegs sein muss; leider ist der Bahnhof wie leergefegt.

Etwa 30 km unterhalb von Katherine wird der Abzweig zu den Cutta Cutta Caves angezeigt. Ein einsamer Ranger harrt der Massen, die die Höhle besichtigen möchten. Ich hatte es passend eingerichtet, da die Besichtigungstouren immer zur vollen Stunde beginnen. Es kostet die Kleinigkeit von 17$ in bar und er rät mir zu Wanderschuhen. Da ich noch etwas Zeit bis 14 h habe, ziehe ich die Wanderschuhe an und verdrücke meinen Lunch. Ich bekomme eine Exklusivführung, da ich die einzige Besucherin bin. Der Ranger schickt mich über einen Informationsweg und mir wird etwas anders, da intensivst vor der Mulga oder auch Brown Snake gewarnt wird. Bei der reichen 10 Minuten bis zum Ende, das nächste Hospital in Katherine ist 15 Autominuten entfernt. Aber da Schlangen bekanntlich vor Vibrationen flüchten, trete ich besonders fest auf und warte an der Höhle auf den Ranger. Die Höhle wurde um 1900 von einem Viehtreiber namens Smith entdeckt, als ihm auf dem Viehtrieb einige Stück abhanden kamen. Im Laufe der Jahre wurde allerhand Unfug in der Höhle getrieben. So diente sie auch der Army während des 2. Weltkrieges als Stützpunkt. Die Soldaten haben sich einen Spaß daraus gemacht, die Stalaktiten abzuschießen und niemand hat sie dran gehindert. Natürlich liegt die Höhle auf Aboriginal-Land und 1979 wurde das Land rücküberführt. Der Namenswechsel auf Cutta Cutta erfolgte prompt, heißt übersetzt, dass es darin glitzert. In der Höhle ist es konstant warm bei etwa 22°Grad, allerdings nimmt die Luftfeuchtigkeit zunehmend ab. Während der Wet wird die Höhle bis zu 14 m überschwemmt bei einer Gesamthöhe von etwa 17 m. Eine völlig blinde Fledermausart hat die Höhle zur Heimat erkoren, diese Sorte gibt es sonst nur noch auf Madagaskar. Das zieht zwangsläufig Schlangen nach sich, die sich um die Stalaktiten schlängeln und die Fledermäuse in der völligen Dunkelheit greifen. Nach 45 Minuten bin ich wieder am Tageslicht und setze meine Fahrt fort.

Während der nördliche Teil des Stuart Highway und auch der Kakadu Highway  stark von Salmon Gums geprägt wird (übrigens meine Lieblings-Eukalypte), gibt es hier kaum noch welche. Was mir immer wieder auffällt, sind riesige Gummibäume; zu Hause haben wir sie im Wohnzimmer auf der Fensterbank, natürlich wesentlich kleiner. Sind mir an guten Tagen auf allen bislang befahrenen Highways maximal bis zu 50 Autos begegnet, waren es Richtung Darwin doch deutlich mehr. Aber hier ist gar nichts mehr los. Ich passiere den Ort Mataranka und etwa 6 km weiter zweigt die Homestead Road zum Homestead Resort, wo ich ein Zimmer gebucht habe, ab.

Dabei traue ich meinen Augen kaum, vor mir fährt einen riesiger Allrad-LKW mit einem Kennzeichen aus Deutschland, nämlich für Cuxhaven. Beim Einchecken sind die Leutchen nicht sehr gesprächig, aber dann stellt sich heraus, dass sie seit 15 Jahren auf Weltumrundung sind und aus Hemmoor stammen. Australien haben sie seit 1 ½ Jahren erkundet und sind nun auf dem Weg nach Darwin, um nach Timor mit dem Schiff überzusetzen. Sie hegen Deutschland in bester Erinnerung, in dem Irrglauben zu Hause ist alles besser und nur woanders werden einem Knüppel zwischen die Beine geworfen. Gerade Australien finden sie in dieser Beziehung extrem; keine Ahnung, was die erlebt haben, aber ich stimme nicht zu.

Meine Buchung ist nicht vorhanden, bezahlt hatte ich allerdings auch noch nichts. Alle Zimmer sind mit Rangern belegt, die hier eine Tagung haben. Ohne Aufpreis erhalte ich eine Cabin, da ich mal wieder die Email vorlegen kann. Auf dem Weg dorthin stolpere ich bereits über die ersten Kängurus. Die Homestead liegt im Elsey National Park, der hauptsächlich von den warmen Quellen lebt. Bekannt wurde die Gegend durch die Autorin Jeannie Gunn, die 1902 mit ihrem Mann die Homestead gründete. Dieser starb 1903 bereits an Malaria und Jeannie ging zurück nach Adelaide. Aber den Busch wurde sie nicht mehr los und verewigte ihn in dem fiktiven Roman „We of the Never Never“, der heute noch bekannt ist. Diesem Titel verdankt das Northern Territory den Namen Never Never Land. Natürlich lasse ich es mir nicht nehmen, in den Thermalquellen zu schwimmen. Das Wasser ist 34°Grad warm, es reicht also gerade noch zur Erfrischung. Gegen den Strom ist etwas mühsam, aber man kann sich ja auch treiben lassen. Das Wasser ist glasklar und von Palmen gesäumt. Diese sind während der Wet von den lärmenden und stinkenden Flughunden gefüllt, aber jetzt ist  keine Wet. Pro Minute sprudeln aus der Quelle 16495 ltr. Wasser und füllen damit den Roper River. Das Wasser ist herrlich, irgendwann schrumpeln schon die Hände und als eine lärmende Horde australischer Kinder mir fast auf den Kopf springt, komme ich mir schon wieder wie zu Hause im Hallenbad vor. Nach dieser Erfrischung gehe ich noch auf Fotopirsch und bekomme etliche Kängurus vor die Linsen. Der Rest muss bis Morgen warten, dann ist das Licht besser.
Webadressen:
https://www.down-under-guide.com/nationalpark/cutta-cutta-caves-national-park
https://de.wikipedia.org/wiki/Elsey-Nationalpark
https://www.matarankahomestead.com.au/
Wetter: teils wolkig, stickig, bis 36°Grad

Gefahrene km: 457




 Cutta Cutta Caves

 Mataranka



03.05.2012 > Mataranka – Renner Springs <
Während der Nacht tobt ein Gewittersturm, den verpenne ich glatt. Nur heute früh ist alles etwas feucht. Fotopirsch gehe ich trotzdem an, in der Hoffnung, den Pool natürlich leer vorzufinden. Aber bereits um 8:30 h sind etliche Leutchen im Wasser. Heute habe ich auch die eigentliche Quelle entdeckt, man sieht ein tiefes Loch unter Wasser, aus dem es sprudelt.

Kurz nach 9 h sitze ich schließlich im Auto auf dem Weg nach Süden. Der Himmel ist bedeckt und es nieselt ab und an. Mittlerweile gewohnt an die hiesigen Temperaturen, mache ich sogar etwas die Heizung an, denn nur in T-Shirt, Shorts und Sandalen ist mir etwas frischlich zumute. Die Roadhouses reihen sich wie Perlen an der Schnur, alle 100 – 200 km kann man sein durstiges Auto füttern. Bereits gestern ist mir ein Radfahrer entgegen gekommen, heute erneut. Ich weiß immer noch nicht, ob ich sie bedauern oder bewundern soll. Die Vegetation ist immer noch überwiegend von Bäumen beherrscht. Irgendwo im Nirgendwo, in der Höhe von Newcastle Waters, einer unbedeutenden historischen Stätte an einem Rastplatz ändert sich das von gleich auf jetzt. Auf einem Schild steht zu lesen, dass nun die weiten Flächen der unbegrenzten Horizonte beginnen, nämlich das wirkliche Outback. Von diesem möge sich der nach Norden Fahrende verabschieden, da sich nun die Wälder mit dem Savannenbuschland abwechseln. Und eigentlich sollte hier der Wendekreis des Steinbocks sein, denn dieser landschaftliche Unterschied sei viel gravierender als die tatsächliche Linie 700 km weiter südlich. Irgendwo zu beiden Seiten des Highways liegt zum einen das Barkly Tableland und auf der anderen Seite die Tanami Desert. Interessant sind auch die Termitenbauten, je nach der Farbe des Untergrundes mutieren sie zwischen gelb, ocker, braun und rot und das natürlich in allen Schattierungen. Auch irgendwo überspringt der Auto-Tacho die 20000 km-Marke, bei Erreichen des heutigen Etappenziels fehlen noch rund 400 km an  gefahrenen 4000.

Schließlich erreiche ich Renner Springs, auch nur ein Roadhouse. Aber immerhin konnte ich hier eine Buchung platzieren und es gibt im Gegensatz zu gestern sogar Internet. Das Motelzimmer ist simpel, praktisch und sauber.  Renner  Springs wurde benannt nach Dr. Frederick Renner, der hier um 1871 die Telegraphenleitung zwischen Port Augusta und Darwin baute. In dieser Gegend fielen ihm unheimlich viele Vögel auf. Bei näherem Nachsehen entdeckte er die Quelle. Hier im Outback sind die Roadhouses Selbstversorger. Einfach alles läuft über Dieselgeneratoren, die hier täglich rund 550 ltr. Diesel schlucken. Ein 17-m-Pool gehört auch dazu, genauso wie eine Gästewäscherei (habe ich gleich in Anspruch genommen, nachdem ich gestern die Wäsche drin hatte, aber nicht den Anstellknopf fand). Brot wird selbst produziert und die Speisekarte sieht auch ganz nett aus.
Webadressen:
https://en.wikipedia.org/wiki/Renner_Springs,_Northern_Territory
https://www.rennerspringshotel.com.au/
Wetter: von komplett zugezogen bis wolkenlos, 25 – 35°Grad

Gefahrene km: 428


 Renner Springs

 
04.05.2012 > Renner Springs – Aileron <
Nachdem ich die Portionen gesehen hatte, die da über die Theke gingen, habe ich „nur“ eine Portion Chips bestellt mit Dressing und zwar für exakt 2,50$. Bekommen habe ich ungefähr eine Menge in Suppenschüsselgröße. Die sind zwar total lecker, aber ich habe auch gut gestopft. Die Nacht ist ruhig, wenn man von den Geräuschen der vorbeifahrenden Road Trains mal absieht. Das hört sich wie eine mächtige Dampflok an. Es ist wohl ziemlich windig, der Wind heult um das Gebäude. Ansonsten ist das hier ein typischer Outback-Pub, einfach urig, aber auch saugemütlich. Da ich heute nochmals solch eine Übernachtung und sogar ohne Vorausbuchung habe, bin ich echt gespannt, was mich da noch erwartet.

Das Northern Territory birgt ohnehin einige Besonderheiten. Beim Einchecken muss auch die No. des Führerscheins angegeben werden; lange gesucht, bis ich fündig geworden bin. Im Bottle-Shop ist grundsätzlich beim Kauf von Alkohol eine ID-Card vorzulegen. Die haben meinen Reisepass wie ein Wundertier bestaunt. Was mich sowohl in Western Australia wie auch hier im Northern Territory wundert, ist die Tatsache, dass die ganzen Überlandleitungen durch die Buschfeuer nicht verkokeln. Darüber habe ich bereits nachgedacht, denn bei uns ist das doch eine Kupferleitung mit einem Gummi- oder Kunststoffüberzug.

Gegen 8:30 h bin ich auf dem Weg gen Süden. Die Australier bestaunen mich, wenn wir denn ins Gespräch kommen, wie ein Kalb mit 2 Köpfen. Sie können nicht glauben, dass ich > Zitat: such a tiny little car, the whole way from Broome and only by your own!!! gut über die Runden komme. Ich muss ehrlich gestehen, ab Renner Springs bis ungefähr Tennant Creek ist das wohl die schönste Strecke, die ich bislang gefahren bin. Weite Grassavannen, in denen heute früh der Wind die Gräser fast zu Boden drückt, wechseln sich mit sanften Hügeln ab. Dann wieder komme ich über eine Hügelkuppe des Highways und habe einen Rundumblick von fast 360 Grad. Die Erdkrümmung ist spürbar zu erkennen. Hinzu kommt in den Vormittagsstunden, bevor es zu heiß wird, ein Geruch nach Zitrone und Eukalyptus.

Kurz vor Tennant Creek wird es mir zu frischlich und ich fahre in einen Abzweig, um lange Hosen anzuziehen. Von Tennant Creek erwarte ich, dem Reiseführer folgend, sehr viel. Was für eine Schlaftablette von Stadt, mit rund 3500 Einwohnern wurde sie ursprünglich wegen des Goldrausches von 1933 gegründet. Einmal die Hauptstraße hin und wieder zurück und im Visitor Centre Prospekte abgegriffen, das war es dann aber auch. Ein guter alter Bekannter kreuzt ab Tennant Creek wiederholt den Weg, der Schienenstrang des Ghan. Unterwegs fallen mir zunehmend Schwärme von zig Vögeln auf, alle, soweit ich erkennen kann, sehr grün; ich tippe auf Sittich- oder Kanarienarten.

103 km südlich liegen die Devils Marbles, auch Karlu Karlu genannt. Die Teufelsmurmeln sind eine Ansammlung riesiger Granitkugeln, die spektakulär aus der Ebene ragen. Nach dem Glauben der Ureinwohner stellen die runden Felsbrocken die Eier der Regenbogenschlange dar. Roadhouse reiht sich an Roadhouse, in Wycliffe Well mache ich Kaffeepause. Der Reiseführer schreibt so schön: Der Ort wirbt mit Ufo-Sichtungen. Die Bar wirbt mit der größten Bierauswahl Australiens. Wahrscheinlich ist das auch der Grund für Ufo-Sichtungen!

Hinter der Barrow Creek Telegraph Station wird die Strecke wieder interessanter. Die Hügel erinnern mich irgendwie an runde Köpfe mit Igelschnitt. Beim Roadhouse von Ti Tree tanke ich nochmals, weil ich überlege, ob ich nicht  noch nach Alice im Wunderland (Reiseführer)> Alice Springs (von hier noch 180 km) durchfahre, um in aller Ruhe meine Wochenendeinkäufe zu tätigen. Und, was ganz wichtig ist, die bestellten Akubra-Hüte so wie einen für mich bei Don Thomas zu kaufen.

Aber als ich beim Roadhouse von Aileron ankomme, entscheide ich mich doch für die Übernachtung. Das Roadhouse macht einen guten Eindruck auf mich, hier hatte ich nicht buchen können, aber es ist genügend frei. Zum Abendessen (hier ist es mittlerweile 18:20 h) bestelle ich mir Lammkoteletts mit Chips und Salat für nur 15$ mit einem Glas Chardonnay dabei. Das Internet ist kostenlos, dafür aber grottenlangsam. Nur noch so zur Info: am linken Bein sind sämtliche Krusten seit dem Bad in Mataranka abgefallen, die tiefere Macke am rechten Bein ist auf die Hälfte geschmolzen; es wird also.
Webadressen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Karlu_Karlu
https://www.aileronroadhouse.com.au/
Wetter: morgens stark windig, wolkenlos, 21 – 28°Grad

Gefahrene km: 540


 Devils Marbles > Karlu Karlu










05.05.2012 > Aileron – King’s Canyon <
Die Nacht war eisig kalt, waren es im Zimmer nur 11°Grad, muss es draußen eine einstellige Ziffer gewesen sein. Gegen 6 h werde ich wach und denke für mich, dass ich mich abends noch über die dicke Steppdecke gewundert habe. Ob der Kälte im Raum stelle ich die Klimaanlage, die zum Glück so modern ist, dass sie auch heizt, an. Nicht, dass ich beim Duschen vor lauter Zähneklappern von Strahl zu Strahl hüpfe. Zum ersten Mal ziehe ich Socken an und die Fleecejacke. Beim Auschecken wird mir ein Kaffee für umsonst angeboten, da sage ich nicht nein. Gegen 8:15 h bin ich on the Road. Ich liebe dieses frühe Fahren. Die Sonne zeichnet aufgrund des noch niedrigen Standes ganz weiche Konturen in die Landschaft. Später am Tag wirkt das alles viel härter.

Alice Springs kommt näher. Aber vorher treffe ich auf einen alten Bekannten, den Capricorn, bei uns heißt das Wendekreis des Steinbocks. Hier sind die Subtropen endgültig zu Ende und der Trockenbereich beginnt. Nachdem ich gestern nochmals meine Vorräte gecheckt habe, entschließe ich mich gegen einen Aufenthalt in Alice und fahre durch. Was ich sehe, ist bereits sehr beeindruckend, aber es kommen ja auch noch 3 Aufenthaltstage dort.

Beim Erldunda Roadhouse tanke ich nochmals und mache Pause. Hier zweigt der Lasseter Highway vom Stuart Highway Richtung Red Centre ab. Zum ersten Mal auf der ganzen bisherigen Reise bin ich durch das Auto benachteiligt, der Umweg wegen nur 2 WD beträgt rund 70 km, das kann ich locker verschmerzen. Die Landschaften wechseln, an einer Stelle habe ich das Gefühl, durch die Lüneburger Heide zu fahren. Die George Gill Range rückt näher und es kommen die ersten Hinweise zur Kings Creek Station. Gleich am Eingang ist der Hubschrauberlandeplatz. Eine Anzahlung hatte ich geleistet für wiederum eine Safari Cabin incl. Station Frühstück. Mit einem Quad werde ich zur richtigen Stelle gelotst und bekomme auch gleich die örtlichen Einweisungen. Nach einer Sightseeing-Tour über die Station lasse ich es für heute gut sein.
Webadressen:
https://www.kingscreekstation.com.au/accommodation/safari-cabins.html
Wetter: wolkenlos, von 8 – 26°Grad

Gefahrene km: 565


Übernachtung King's Creek Station

06.05.2012 > King’s Canyon <
Nach einer erneut kalten Nacht (aber wie sagte doch Liz gestern, wir kennen nur 2 Jahreszeiten, Sommer und Winter und nun ist Winter) bin ich schon um 7 h beim Frühstück. Es gibt Eier mit Speck und Toast, dazu Kaffee. Alle sitzen mit dem Station-Personal in einem Raum. Auch so früh am Morgen wird fleißig geflachst.

Um 7:30 h sitze ich im Auto, um die gut 30 km zum Kings Canyon zu fahren. Der Name steht eigentlich schon für sich. Der Canyon liegt im Watarrka National Park und ist Australiens größte und tiefste Schlucht. Bis zu 300 m hohe rote Felswände bieten einen grandiosen Ausblick. Es gibt 2 Walks im Canyon, den Rim Walk und den Kings Creek Walk. Der Rim Walk hat auch die Bezeichnung Heartbreak oder Heartattack Hill. Aber ich bin nicht soweit gekommen, um den nun auszulassen. Es geht wirklich wie bei einer Gemsensteige absolut steil den Berg rauf und das auf geschätzte 150 m Höhe. Nach einer guten halben Stunde komme ich schnaufend oben an. Die Sünden der Vergangenheit scheinen mich einholen zu wollen, ich meine, jede jemals gerauchte Zigarette zu spüren.

Der Rim Walk führt ungefähr 6 km lang über die Plateaus zu teils atemberaubenden Aussichten. Mittendrin geht es wieder steil hinunter zum Garden of Eden. Das ist eine kleine Palmenschlucht mit einladenden Wasserpassagen zum Schwimmen, jetzt ist das Wasser allerdings ob der kühlen Nächte schweinekalt. Die Felswände bestehen überwiegend aus rotem, selten gelbem oder weißem Sandstein. An den Stellen, wo Abbrüche vorhanden sind, wirken die Wände wie geschliffen. Der Rim Walk ist gut ausgeschildert, führt aber wirklich über Stock und Stein. Nach gut 4 Stunden, ich lasse mir einfach Zeit zum Staunen, zum Schluss fast nur noch bergab, komme ich wieder am Parkplatz an. Die letzte Stunde wandere ich in Begleitung von 3 Australierinnen, wir unterhalten uns fast die ganze Zeit. Fast 1 ½ ltr. Wasser habe ich auf der Wanderung in mich hineingeschüttet und gute 40 Fotos und etliche Minuten Video sind die Ausbeute. Ich lasse es mir nicht nehmen, auch noch den Creek Walk zu absolvieren, um einige Shots auf die Felswände von unten zu bekommen. An einem grandiosen Aussichtspunkt endet dieser Walk und ich mache im Schatten Lunchpause. Es lockt mich eine Tasse Kaffee in dem hochnoblen Kings Canyon Resort, aber Pustekuchen, die sind so hochnäsig, dass ich gleich wieder kehrt mache. Dafür gönne ich mir auf der Station ein Magnum Eis zum stattlichen Preis von 4,50$. Was mich auf der Hin- und Rückfahrt überrascht, am Straßenrand wachsen überall Paddymelons. Kannte ich sie bisher nur in der Größe von Golfbällen, sind diese groß wie Pampelmusen und von dunkelgrün bis sattgelb vorhanden. Leider sind sie nicht essbar, wie ich auf Anfrage erfahre.
Webadressen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Watarrka-Nationalpark
https://de.wikipedia.org/wiki/Kings_Canyon_(Australien)
Wetter: wolkenlos von 0 – 30°Grad

Gefahrene km: 86



Heartattack Hill, King's Canyon, Watarrka N.P.



King's Canyon > Garden of Eden




07.05.2012 > King’s Canyon – Yulara (Kata Tjuta – Uluru) <
Am Vortage haben 5 Holländer samt 17 Monate altem Baby in den Cabins neben mir eingecheckt. Da war die Nacht leider nicht mehr so ruhig, das Baby hat die halbe Nacht geschrien. Ein Dingo hat schaurig in der Nähe mehrfach geheult. Und dann sind da noch die Pferde der Station, die nachts frei durch den Busch streifen und sich wiehernd verständigen. Erstaunlicherweise sind das alles Brumbies, die eingefangen und gezähmt wurden. Das Gleiche gilt für die Kamele, die werden allerdings möglichst schon als Jährlinge gefangen, weil sie sonst zu aufsässig sind. Allesamt sind kastriert, denn für Nachwuchs sorgt die freie Wildbahn. Hatte ich zunächst an nochmaliges Reiten gedacht, wäre das aber nur in der Frühe gegangen und Kamel wollte ich absolut nicht. Wie hätte das ausgesehen, Kamel auf Kamel! Die Nacht war lausig kalt, in der Cabin waren es nur noch 9°Grad, irgendwann gegen 4 h habe ich den Heizofen angeworfen. Da ich nicht so eine lange Strecke zu fahren habe, klingelt der Wecker erst um 7:30 h. Die Cabins sind so klein, da passt keine Sanitäreinrichtung rein. Also rein in die Jogginghose samt dicker Fleecejacke und auf zur Nasszelle. Das heiße Wasser wärmt das auf, was nach Wärme schreit, noch die Haare gefönt und zurück zur Cabin. Da kommen mir die inzwischen 15° Grad fast wie in der Sauna vor. Nochmals ein tolles Station-Frühstück und dann bin ich kurz nach 9 h auf dem Weg nach Yulara. Übrigens wäre auch Selbstversorgung möglich, ein komplettes Küchenhaus nur für Gäste steht zur Verfügung.

Ich lasse mir alle Zeit der Welt und prompt läuft auf dem Mittelstreifen ein Dingo, den erlege ich zumindest mit der Kamera. Weiter geht es Richtung Lasseter-Highway. Erneut fällt mir auf, wie sauber die Straßenränder aussehen. Nun gut, kann jeder jetzt sagen, bei der Bevölkerungsdichte ein Kinderspiel. Aber auch in den Städten verunstalten keine Überreste von McDoof den Straßenrand. Denn den gibt es hier natürlich auch, hinzu kommen McCafe, Red Rooster und sonstige. Das gilt auch für Graffiti, die einzige habe ich bislang am Toilettenhäuschen ausgerechnet am Capricorn gesehen.  Der Mount Conner erscheint gewaltig zur Linken, wer es nicht besser weiß, hält ihn im ersten Moment für den Uluru. Aber das kann nicht sein, denn bis dort sind es noch gute 130 km. Mir fällt vor Staunen fast die Unterlippe runter, entgegen kommt ein Fußgänger mit einer Art Rikscha als Karren für das Gepäck, den bemitleide ich nun wirklich.  

Irgendwann schließlich auf einer Hügelkuppe sehe ich beide, den Uluru und die Kata Tjuta. Unwillkürlich bekomme ich eine Gänsehaut. Ich weiß nicht, was mich auf den ersten Blick mehr beeindruckt. Yulara ist voll in der Hand der Hotelgesellschaft Ayers Rock Resort, dazu gehören das Desert Gardens Hotel, die Emu Walk Apartments, The Lost Camel Hotel, das Sails in the Desert Hotel, das Outback Pioneer Hotel sowie der Ayers Rock Resort Campground. Die Hotelpreise bewegen sich von rund 280 € aufwärts bis in die tausende. Hinzu kommen ein Einkaufszentrum und eine Tankstelle. Die gebuchte Cabin ist gemütlich mit überdachtem Außensitzplatz, 2 Schlafzimmern, davon eines mit Doppelbett, sowie einem Aufenthaltsraum mit Kochecke incl. Mikrowelle und ein Fernseher gehört auch dazu. Einzig auch hier fehlt die Sanitäreinheit. Das liegt vor allem daran, dass die komplette Einrichtung auf einer unterirdischen Quelle gebaut wurde und man unbedingt Wasser sparen will. Ist die Quelle erschöpft und damit rechnet man in den nächsten 20 Jahren, dann stirbt hier alles aus. Das Sanitärgebäude ist blitzsauber mit Toiletten, Duschen und Waschmaschinen ausgestattet. Das ist nur leider nichts für Leute mit schwachen Blasen in der Nacht.

Die Rezeption will sich um den morgigen Flug und eine Tischbuchung für das Dinner kümmern. Dabei holt mich eine Email von Ayers Rock Air ein, es wird mir ein Rundflug für 11:30 h angeboten, das hatte ich nicht so geplant. Da mir ohnehin das Brot ausgegangen ist, fahre ich zum Einkaufszentrum und falle bei denen ein. Leider ist niemand an einem Sunset-Flight für Morgen interessiert und es wird sich auch keiner aus dem Hut zaubern lassen. Ob meines Gejammers wegen 60. Geburtstag usw. erbarmt sich der Hubschrauberpilot und bietet mir die Mitnahme im Hubi an, dort gibt es nämlich einen Flug und ein Platz ist noch frei. Sogar einen Rabatt von 30$ räumt er mir ein. Wir werden natürlich handelseinig. Die Abholung an der Rezeption ist wie immer im Preis enthalten. Nun bleibt nur noch die Tischreservierung, auch das klappt.

Ich gehe zu einem Lookout in der Nähe und habe freien Blick zu den in weiter Ferne liegenden Felsen. Für heute habe ich mir den Sonnenuntergang am Uluru vorgenommen. Nach den Massen an Infomaterial, die ich aus Deutschland eingeschleppt habe, gibt es 2 Punkte zur Beobachtung des Sonnenuntergangs, einen für Autos und einen für Fußgänger auf einer Aussichtsplattform. Am Parkeingang zahle ich die 25$ Parkgebühr für 3 Tage und fahre lächelnd an dem Autoparkplatz vorbei. Nur, die Aussichtsplattform ist ausschließlich für den Sonnenaufgang, da sie auf der „dunklen“ Seite des Felsens liegt. Macht nichts, denke ich mir, und umrunde den kompletten Uluru auf der Straße > Zeit 30 Minuten. Es ist einfach nur monumental, was ich sehe. Von weitem sieht der Uluru so glatt wie ein Kinderpopo aus, aus der Nähe hat er Falten und Vertiefungen wie ein Greis. Aber das schaue ich Morgen genauer an. Erneut komme ich am Parkplatz vorbei und finde einen schönen Platz. Die Leute sind teils schon recht lange hier und machen es sich mittels Campingstühlen gemütlich, einige picknicken sogar dabei. Bänke gibt es so gut wie keine, außerdem sind sie schon alle belegt. Die Fliegen nerven nicht nur mich. Das wäre was für das „Heitere Berufe raten“ in Abwandlung, typische Handbewegung eines Australiers? Sonnenuntergang ist um 18:14 h, ungefähr 1 ¼ Stunden harre ich aus und beobachte die verschiedenen Farben. Dabei ist auch der Sonnenuntergang hinter mir nicht zu verachten. Bevor es völlig dunkel ist, der Uluru ist mittlerweile schwarz, fahre ich zurück.
Webadressen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Yulara
https://www.ayersrockresort.com.au/arrcamp/xlink23/pricing-0809/
Wetter:
wolkenlos, abends vereinzelt Schleierwolken, von 10 – 28°Grad

Gefahrene km: 320


 Dingo



 Mount Connor



 Sonnenuntergang am Uluru



 
08.05.2012 (mein 60. Geburtstag) > Yulara (Uluru) <
Der Uluru, übersetzt heißt das übrigens „Schatten spendender Platz“, ist ein großer Inselberg aus Sandstein. Die Umbenennung in Ayers Rock erfolgte 1873 nach Sir Henry Ayers, der 5 x Prime Minister in South Australia war. 1 Drittel ist oberirdisch, der Rest unten drunter, übrigens ist es ein Monolith. Er liegt im Uluru-Kata Tjuta National Park, der eine Größe von 1325 km² aufweist. Das bekannteste und wohl meistfotografierte Wahrzeichen Australiens ist 348 m (863 m über Meeresspiegel) hoch und hat einen Umfang von 9,4 km. 

Die Umrundung des Uluru mit seinen Höhlen, Verwerfungen und heiligen Stätten ist für viele die authentische Erfahrung. Das ist mein heutiges Tagewerk. Da ich wegen des Vollmondes schlecht geschlafen habe und der Wecker mich mal wieder um eine halbe Stunde versetzt, komme ich spät unter die Dusche. Aber ich schaffe es, um gegen 9:30 h mit meinem Marsch zu beginnen. 10,4 km  Basewalk liegen vor mir. Da die Sonnenuntergangsseite in der prallen Sonne liegt, entschließe ich mich, zuerst diese Seite abzulaufen. Unterwegs muss man ständig auf Hinweisschilder achten, die an sensiblen, sprich den Aboriginal heiligen Stätten, das Filmen und Fotografieren verbieten. Zuwiderhandlungen werden mit hohen Geldstrafen belegt. 1985 wurde der Uluru an die Aboriginals, sie nennen sich hier Anangu, zurückgegeben, allerdings mit der Auflage, einem Pachtvertrag über 99 Jahre zuzustimmen.

Meint man aus der Ferne, dass der Fels absolut glatt ist, täuscht das aus der Nähe total. Respektlos vergleiche ich das mit einem Kadaver, der an diversen Stellen mehr oder weniger angefressen wurde. Es gibt rund um den Fels Wasserlöcher, schattige Plätzchen, die ich vor allem während der Wanderung auf der Sonnenaufgangsseite genieße. Meine ich zunächst, mit Horden unterwegs zu sein, relativiert sich das immer mehr. An vielen Stellen staune ich einfach nur. Wie kann auf halber Höhe eine Grasfläche sein oder ein Baum wachsen. Ich lasse mir sehr viel Zeit bei meiner Umrundung, nach gut 4 Stunden bin ich wieder am Ausgangsort. Das ist die Stelle, an der die Leute, die es nicht lassen können, den Fels hinauf krabbeln. Die Anangu lehnen die Besteigung des Uluru ab, verbieten es aber nicht, ja nehmen nicht mal Geld dafür. Ein Pfad mit einer Seilführung führt den Berg hinauf. Abwärts laufen viele nur rückwärts. So ähnlich stelle ich mir auch den Weg über den Klondike Pass in Alaska während des Goldrausches vor, nur dass der Aufstieg über einen vereisten Felsen ging.

Der Abholbus von Ayers Rock Scenic Flights wartet bereits an der Rezeption, obwohl ich noch gut 10 Minuten vor der Zeit bin. Letztendlich sind wir 6 Leute, die für einen Sunset-Flight gebucht haben. Da die Hubschrauber aber nur jeweils 3 Plätze für Gäste haben, starten gleich 2. Wieder kommt mir mein Geburtstag zur Hilfe, ich darf neben dem Piloten sitzen. Der Hubschrauber ist eine Bell irgendwas. Der Flug ist einfach unbeschreiblich, zumal auch völlig ruhig. Zunächst geht es zur Kata Tjuta und danach zum Uluru. Der Blick von oben auf beide Felsen ist einfach überwältigend. Die Piloten umkreisen das Gelände mehrfach. Die Sicht reicht bis zum rund 130 km entfernten Mount Conner. Richtung Süden sind die bereits in South Australia liegenden Musgrave Ranges zu erkennen. Gen Nordwesten erkennt man einen breiten weißen Streifen, das ist Lake Amadeus, ein Salzsee. Dieser füllt sich bei Regen maximal für 3 Tage mit Wasser, was durch den Salzeinfluss sofort wieder verdunstet. Nach gut 36 Minuten haben wir wieder Bodenkontakt. Rund 150 Fotos habe ich seit gestern geschossen.

Auf der Rückfahrt wird mir im Bus ein Geburtstagsständchen von mir eigentlich wildfremden Leuten gebracht. Es stellt sich heraus, dass Sue und Richard in der Cabin nebenan wohnen. Spontan laden sie mich für den nächsten Abend zum Essen und einem guten Roten ein. Das nehme ich dankend an. Mein eigenes Dinner im Outback Pioneer Hotel ist ein voller Erfolg. Das komplette Essen von der Vorspeise bis zum Käse ist als Buffet angerichtet, heißt, man kann soviel essen wie man will. Was es alles an Vorspeisen gibt, weiß ich schon nicht mehr, Fleisch vom Schwein über Krokodil und Känguru bis zum Baramundi. Ein nettes Glas Chardonnay rundet die Sache ab. Mit 64$ incl. Wein ist das nicht zu teuer bezahlt. Zurück zur Cabin rolle ich.
Webadressen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ulu%E1%B9%9Fu
https://www.helicoptergroup.com/content_pages/services/Ayers_Rock_Scenics.asp
Wetter: wolkenlos, nachts um die 12°Grad, tags bis 31°Grad

Gefahrene km: 45


 Uluru











 Kata Tjuta



 Uluru


 

09.05.2012 > Yulara (Kata Tjuta) <
43 km westlich vom Uluru liegen die Kata Tjuta. Sie sind 546 m vom Boden aus hoch und liegend 1066 m über dem Meeresspiegel. Übersetzt bedeutet Kata Tjuta viele Köpfe. Natürlich mussten die europäischen Entdecker einen entsprechenden Namen geben. Eingefallen ist ihnen „The Olgas“ nach der Königin Olga von Württemberg. 1995 erfolgte die offizielle Umbenennung zurück zu Kata Tjuta.

Ist bereits am Uluru vieles für die Touristen nicht zugänglich, gilt das für die Kata Tjuta noch viel mehr. Das Alter der insgesamt 36 einzelnen Felsdome wird auf einige Millionen Jahre geschätzt. Sie erstrecken sich über eine Ausdehnung von 36 km². Einzig zugänglich sind der Valley of the Winds Walk über 7,4 km recht anspruchsvoll mit diversen Teilen bergauf und bergab (Sperrung bei Temperaturen über 36°Grad) sowie der Weg in die Walpa Gorge über 2,6 km zur Hälfte im Schatten. Auf diesen beiden Wanderungen erlebt man die beeindruckenden Proportionen des Felsmassivs und beginnt zu verstehen, dass die lokalen Anangu das Gebiet immer noch als Ehrfurcht einflössend empfinden.

Um kurz vor neun bin ich bereits am Parkplatz, wo ich auf das deutsche Paar treffe, was ich ist gestern am Uluru kennengelernt habe. Wir hatten uns grob für heute verabredet. Die Beiden kommen aus Ravensburg und sind seit einem guten halben Jahr auf Weltreise. Bruno ist von Beruf Bäcker und hat auf einem Kreuzfahrtschiff von Celebrity Cruise gearbeitet, das Schiff hat die Meyer Werft in Papenburg gebaut. Scheinbar laufen mir die Weltreisenden nach; bin ich doch bereits 2010 bei der Wanderung im Kalbarri National Park mit so einem Paar gewandert. Sie sind natürlich erheblich jünger als ich, aber da sie viele Fragen über Down under haben, geht uns der Gesprächsstoff nicht aus. Unterwegs bin ich, wie schon etliche Male zuvor, außerordentlich dankbar für die gut auf den Felsen haftenden Sohlen meiner Wanderschuhe.

Es ist schwierig, die Kata Tjuta ob der Ausdehnung so als Masse zu fassen wie den Uluru. Das wirkt  auf den Fotos nach. Es ist auch kaum möglich, mehr aus der Nähe ein zusammenhängendes Foto zu erzielen, irgendwas an Gestrüpp ist immer vor der Linse. Außerdem darf man auf den letzten 15 km vor den Parkplätzen nicht mehr anhalten. Nach gut 3 Stunden haben wir den Track absolviert und ich trenne mich von den beiden, um noch die Walpa Gorge zu erwandern. Anschließend reicht es mir absolut, mit qualmenden Socken treffe ich bei meiner Cabin ein, um unter die ersehnte Dusche zu kommen. Danach wasche ich noch 2 Shirts durch und lege die Beine hoch. In der Nachbarcabin ist ein älteres deutsches Paar eingezogen, die sind nur noch typisch deutsch. Stilvoll wird am überdachten Außensitzplatz Kaffee getrunken, dabei lobt der Herr den Kaffee als sehr gelungen. Sogar eine nagelneue Pfanne haben sie erstanden, gekocht wird nach der Uhr. Leider verstehe ich alles weil sie so laut sind. Aus meiner Einladung zum Abendessen wird wohl nichts mehr, Sue und Richard haben sich nicht mehr gemeldet. So bleibt die ganze Flasche Shiraz für mich…
Webadressen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kata_Tju%E1%B9%AF
Wetter: wolkenlos, bis 31°Grad
Gefahrene km: 113


 Kata Tjuta








Kata Tjuta > Walpa Gorge

 
10.05.2012 > Yulara – Alice Springs <
In Yulara steppt morgens ab ca. 6 h wegen des bevorstehenden Sonnenaufgangs der Bär. Da ich ohnehin den weiten Weg Richtung Alice Springs vor mir habe, trabe ich unter die Dusche. Allerdings nicht, ohne die Warnhinweise von Sue und Richard zu missachten, die mir wärmstens ans Herz gelegt haben, nicht ohne Latschen an den Füssen zu duschen, weil ansonsten sich irgendein ekliger Wurm unter die Fußnägel graben könnte.

Kurz nach 8 h bin ich unterwegs. Dieses Mal ist es keine unbekannte Strecke, da ich den Weg von Alice Springs via Kings Canyon nach Yulara ja bereits auf dem Hinweg gefahren bin. Übrigens habe ich bislang 8 Autowracks in allen Formen entlang der Highways gesehen. Die Straßen sind voll von den „Greybirds“, so nennen die Aussies liebevoll ihre Rentner. In den südlichen Bundesstaaten ist es jetzt bereits recht kalt und so ziehen sie mit Sack und Pack, heißt Auto mit Wohnanhänger, gen Norden. Erstmals sehe ich hier auch Wohnmobile, die an einer starren Verbindung einen PKW nachziehen, das habe ich bereits in Kanada gesehen und würde es mir für Deutschland wünschen. Natürlich ist der überwiegende Anteil als 4WD ausgelegt. Der Markt hier ist gut aufgeteilt, ¾ aller Fahrzeuge werden von Nissan und Toyota gestellt, der Rest sind sonstige Marken. Bei den SUV steht eindeutig der X-Trail von Nissan an der Spitze.

Am Erldunda-Roadhouse tanke ich nochmals und fahre weiter gen Alice. Die Spritpreise habe ich bislang erlebt zwischen 1,47$, bleifrei Benzin Bio in Katherine und 2,15$ für bleifrei Benzin in Yulara; der höchste Preis wurde mit 2,35$ angezeigt bei der Kings Creek Station, da musste ich glücklicherweise nicht tanken. Mein Autochen braucht im Durchschnitt 6,7 ltr./100 km, das ist unter dem, was an der Windschutzscheibe als Durchschnittsverbrauch angegeben ist. Am Flughafen von Alice Springs lege ich einen weiteren Zwischenstopp ein. Bei Europcar frage ich nochmals, ob ich das Auto von innen und außen gereinigt zurückbringen muss. Der Typ in Broome hatte so etwas gemurmelt. Aber davon kann nicht die Rede sein, allerdings ist eine Querstraße weiter sogar eine Waschstraße, wie ich später in der Innenstadt feststellen werde. Die bestellten Hüte von Uwe, Klaus und Kalle bereiten mir Kopfschmerzen, wie ich sie denn transportieren soll. Daher frage ich bei Qantas nach. Wiegen sie mehr als 5 kg, muss ich 30$ abdrücken, aber es kommt wohl kaum 1 kg heraus.

Mit Hilfe des Navis mache ich natürlich eine Punktlandung im Hof des Hotels Desert Rose Inn. Auch hier habe ich mit Hilfe des Webs wieder einen Treffer gelandet. Ein Parkplatz direkt vor der Tür neben dem Pool und ein sehr schönes Zimmer mit Doppelbett, Kühlschrank, Heißwassergerät, Fernseher und einem riesigen Bad. Internet ist sogar kostenlos. In einem Pavillon befindet sich eine Küche für die Gäste, sowie ein Aufenthaltsraum und eine Gästewäscherei. Dabei kostet das nur 80$ pro Nacht und bezahlen brauche ich auch erst beim Auschecken. Die Fußgängerzone ist 2 Straßenzüge weiter und mein erster Weg führt mich zu Don Thomas, dem Outdoor-Ausrüster schlechthin. Die Hüte für Uwe und Klaus sowie für mich erstehe ich problemlos. Nur der schwarze Hut für Kalle ist hier nicht vorrätig. Man schnürt mir ein riesiges Paket, das ich nie im Leben mit in dem Flieger nehmen darf. Gegenüber gibt es noch einen Outdoor-Shop, die haben Kalles Hut, aber nicht in seiner Größe. Direkt daneben ist ein riesiges Einkaufscenter, in der Drogerie bekomme ich endlich das richtige Aloevera-Aftersun-Gel. Einen Supermarkt kann ich nicht entdecken, also frage ich und siehe da, quer über die Straße ist noch ein Einkaufszentrum mit diversen Geschäften und einem Woolworth, dahinter liegt sogar noch ein Coles. An der Frischetheke erstehe ich einen Salat fürs Abendessen, den Rest habe ich noch. Bei einem Lederwarengeschäft frage ich nach einem großen Softbeutel für wenig Geld für die Hüte und siehe da, für 9,95$ werde ich fündig; kann ich fast selbst drin einziehen. Zurück, mache ich mich auf zum Bahnhof, der Ghan soll heute hier Station machen. Aber die haben den verdammten Fahrplan wohl schon wieder geändert (Fahrplan ist richtig, wie ich später im Web feststelle, nur der Zug fehlt). Jedenfalls weit und breit kein Ghan in Sicht. Langsam reicht es mir
und ich gehe in den wohlverdienten Feierabend.
Webadressen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Alice_Springs
https://www.desertroseinn.com.au/default.htm
Wetter: wolkenlos, bis 33°Grad

Gefahrene km: 449

 Begegnungen...


11.05.2012 > Alice Springs <
Mit rund 30000 Einwohnern ist Alice Springs die zweitgrößte Stadt des Northern Territory und die unumstrittene Hauptstadt im Red Centre. Die Entwicklung von einer einfachen Telegraphenstation (hier sei an Dr. Renner erinnert) über die frühe Pionierstadt zum modernen Outback-Zentrum ist rasend schnell voran geschritten. Mit eigentlich allem, was das Herz begehrt, von Veranstaltungen, guten Unterkünften und Einkaufsmöglichkeiten sowie exzellenten Restaurants bietet „The Alice“, wie die Aussies liebevoll ihre Stadt nennen, für jeden etwas. Das Halbwüsten-Binnenklima heizt die Sommer auf bis zu 45°Grad auf, während die Winter mit bis zu 25°Grad mehr als angenehm sind. Kehrseite der Medaille, die Tageswintertemperaturen sind die Sommernachttemperaturen, während der Nacht kühlt es im Winter auf bis zu 0°Grad ab. Vereinzelte Gewitter füllen die Flüsse blitzartig bis zum Überlauf. Natürlich war und ist das Volk der Aranda nur seit etwa 30000 Jahren hier ansässig. Erst 1870 kamen die Weißen und nannten den nahegelegenen Fluss Alice. Danach folgte das ganze Mischmasch angeblicher Entdecker und solcher, die es werden wollten. 1889 erfolgte die Benennung mit dem Namen Stuart. Das war eindeutig ein Stuart zu viel, denn nach Eröffnung der Bahnlinie Richtung Adelaide im Jahre 1929 boomte die Bevölkerungszahl auf 200 und das gab 1933 den Anlass zur Umbenennung in Alice Springs. Aufgrund der Bombardierung Darwins im zweiten Weltkrieg (siehe hierzu auch den Film „Australia“) übernahm Alice alle Aufgaben der Hauptstadt. Der wirkliche Tourismus erreichte das Red Centre aber erst mit der durchgehenden Asphaltierung des Stuart Highway im Jahre 1987, der bis dato wirklich nur eine rote Gravelroad war. Größtes Problem der Stadt ist der überdurchschnittliche Alkoholkonsum der Aboriginals, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung hier wesentlich höher liegt als im Landesdurchschnitt. Vor 14 Tagen wurden hier 2 deutsche Backpackerinnen im Alter um die 28 von Aboriginals überfallen und ausgeraubt. Das wurde wiederholt im Fernsehen gezeigt. Die Polizei konnte die beiden Täter schnell dingfest machen. Es wird allerdings auch ausdrücklich davor gewarnt, in den Stadtaußenbezirken als Frau nicht während der Dunkelheit unterwegs zu sein. Gestern habe ich zum ersten Mal seit langem wieder Polizeifahrzeuge mit den s. g. Hundekäfigen hinten drauf gesehen. Darin werden die betrunkenen Schwarzen (keine Ahnung, ob das auch für Weiße genutzt wird) transportiert. Das habe ich 1998 in Darwin zuletzt gesehen. Alice Springs bedeutet auch wieder Ampeln und sogar fest installierte Blitzer.

Mein heutiger Tag führt mich in den 2069 km² großen West MacDonnell National Park, Hauptbestandteil sind die MacDonnell Ranges, die eigentlich nur durch den Stuart Highway in Alice unterbrochen werden und sich Richtung Osten fortsetzen. Verlässt man Alice Richtung Westen, kommt man zunächst in ein weites Tal, das auf der linken Seite von einer Bergkette begleitet wird. Die Hügel sind begrünt und plötzlich wächst daraus der rotockerne Felsen hervor, dessen Sedimente sehr grob wirken und längsgestreift sind. Selbst in diesen Felsen krallen sich noch vereinzelte Büsche und auch oben auf dem Grat grünt es vereinzelt. Je weiter man nach Westen kommt, desto lieblicher wird die Landschaft, sanfte begrünte Hügel, dazwischen die Straße und links und rechts immer höhere Bergketten. Hätte ich auf dieser Tagestour die Kamera unentwegt mitlaufen lassen, es wäre ein abendfüllender Film. Die Sehenswürdigkeiten reihen sich wie Perlen auf der Schnur, nur kann ich leider nicht alle anfahren, da die Zufahrten teils als Gravelroad angelegt sind.

Kurz hinter dem Ortsausgang liegt das Grab des Royal Flying Doctor Gründers John Flynn. Nach kurzen 17 km folgt der 6 km lange Abzweig zu Simpsons Gap. Die Schlucht zieht sich eng zusammen, links und rechts wachsen Geister-Eukalyptus. Rockwallabies habe ich leider keine gesehen. Es ist so kalt, dass ich mit Wanderschuhen, Shorts, T-Shirt, Hut (natürlich trage ich meinen Akubra bereits) und wärmender Goretex-Jacke unterwegs bin, die Jacke trage ich in diesem Urlaub zum ersten Mal. Das muss trotzdem ein merkwürdiges Bild gewesen sein. Die Fahrt geht 50 km weiter zu den Standley Chasm. Die kurze Wanderung bedarf eines 10$-Permit, lohnt sich aber entlang eines wilden Bachlaufs in eine erneut enge Schlucht, an deren Ende das Weiterkommen nur mit dem Durchschwimmen eines eiskalten Wasserlochs möglich ist. Der nächste, 68 km weiter gelegene, von mir erreichbare Punkt ist Ochre Pits. Das ist auch so eine Laune der Natur. Die Felsen schimmern von hellocker bis tiefrot und dienten/dienen den Aboriginals als Farbenlager. Vorletzte Station ist die Ormiston Gorge. Hier besteht die Möglichkeit zu ausgedehnten Wanderungen über mehrere Stunden, aber die Zeit habe ich nicht. So laufe ich erneut bis zum Endpunkt durch das ausgetrocknete Flussbett bis zum Beginn des Wassers. Sowohl die Anfahrt wie auch die Gorge selbst sind sehr beeindruckend. Letzte Station ist schließlich Glen Helen mit Lodge und Gorge. Der Hubschrauberpilot macht glänzende Geschäfte, sein Vogel kreist ständig in der Luft. Der Finke River hat sich im Laufe von Jahrtausenden sein Bett durch das Gestein gefressen. Im hinteren Teil, bis kurz davor krabbele ich über die Felsen, hört und sieht man allerlei Vögel auf dem Wasser und in der Luft. Kurz hinter der Abfahrt beginnt die Gravelroad zum Kings Canyon mit einem Aussichtspunkt, der wirklich einen
herrlichen Rundumblick bietet. In der Ferne liegt der Mount Sonder mit immerhin 1230 m. Auf der Rückfahrt gerate ich erneut ins Schwärmen, es ist  eine absolute Traumlandschaft, die ich hier sehe. In Alice Springs fahre ich noch kurz auf den Anzac Hill, der einen schönen Blick über die Stadt bietet. Der Einkauf für das Abendessen steht noch an, außerdem fehlt eine Flasche Wein. Dabei wage ich mich an weißen Shiraz, ein äußerst leckeres Tröpfchen, wie sich bald herausstellt.
Webadressen:
https://de.wikipedia.org/wiki/West-MacDonnell-Nationalpark
Wetter: morgens wolkenlos, nachmittags zunehmend Schäfchenwolken, bis 33°Grad

Gefahrene km: 318


West MacDonnell N.P. > Simpsons Gap



West MacDonnell N.P. > Standly Chasm





West MacDonnell N.P. >
Ochre Pits


West MacDonnell N.P. > Ormiston Gorge




West MacDonnell N.P. > Glen Helen Gorge

 Alice Springs

 
12.05.2012 > Alice Springs <
Der dusselige Wecker hat sich doch tatsächlich wieder ein Funksignal gesucht, was um 30 Minuten von der tatsächlichen Zeit abweicht. Aber da ich das nun weiß, bin ich gerüstet.

Heutiges Tagesziel sind die East MacDonnell Ranges. Zunächst bin ich arg enttäuscht, hatte ich doch ähnliche Landschaften wie am Vortag erwartet. Aber es wird mit zunehmender Weiterfahrt. Nach rund 10 km erreiche ich Emily Gap und 8 km weiter liegt Jessie Gap. Die gleichnamigen ausgetrockneten Flussläufe haben sich durch die Felsen gegraben. Die Arrernte Aboriginal People verehren beide Orte als heilige Stätten, was auch durch Felszeichnungen dokumentiert wird. Bei der Jessie Gap tummeln sich zahlreiche Papageien, grün mit gelbem Band um den Hals, es gelingt mir, sie auf die Geräte zu bekommen. Weiter geht die Fahrt zum Coroboree Rock. Der Fels ist das Ergebnis der Bitter Springs Formation (irgendetwas mit Meerwasser usw.) und erstaunliche 800 Mio. Jahre alt. Bei der Weiterfahrt zur Trephina Gorge ahne ich bereits Böses, da die Asphalt-Spur der Straße einspurig wird. Und richtig, 5 km hinter Abzweigung beginnt eine Gravelroad. Da bleibt nur auf der Straße wenden und zurück, denn nochmals 5 km laufen und auch wieder zurück, nicht mit mir.

Interessant ist, dass die Felsen hier nicht wie auf der anderen Seite das typische rot zeigen sondern ockergelb sind. In der Mitte des erneut breiten Tales mäandert ein ausgetrocknetes Flussbett. Eukaltypten, vermutlich Snappy Gum säumen die Ufer und wachsen sogar mitten im Flussbett. Die Stämme sind teils sicherlich mit einem Durchmesser von einem Meter behaftet. Fast das ganze Tal ist mit Eulkalyptus-Hainen bewachsen. Man kann sich vorstellen, was die Flutwellen hier auslösen, wenn denn mal das Wasser kommt. Die Überreste liegen teils kreuz und quer im Sand des Flussbettes eingegraben.

Zurück in der Stadt suche ich den Olive Pink Botanic Garden auf. Die Dame hat in den 30iger Jahren diesen Garten angelegt, heute ist er kostenfrei der Öffentlichkeit zugänglich. Last but not least habe ich noch eine Pflicht zu erfüllen, ich besuche das Reptile Centre. Gleich im Eingang möchte man mir eine Python um den Hals legen, das kann ich gerade noch verhindern. Hauptsächlich möchte ich mir die „entgangenen“ Giftschlangen ansehen, denn die sind hier alle versammelt. Richtig harmlos sehen sie hinter den dicken Glasscheiben aus. Vor allem sind sie teils viel kleiner als vorgestellt; heißt natürlich, dass sie in der Natur auch noch schwerer zu entdecken sind. Farblich sind sie den Landschaftsfarben perfekt angepasst. Nur das Teil aus dem Kakadu ist nicht dabei und meine Fragen helfen auch nicht weiter. Endlich sehe ich auch mal einen Dornenteufel. Nicht zu vergessen, Terry das Saltie, das unter Wasser zu sehen ist, mit einer Länge von knapp 3 m.

Unter Zuhilfenahme eines netten Polizisten schaffe ich das Auto in eine Waschanlage, denn die funktionieren hier völlig anders als bei uns; Staubsauger ist auch vorhanden. Von Qantas ist eine Mail eingegangen, die den morgigen Flug bestätigt. Abschließend laufe ich nochmals Richtung Fußgängerzone mit Lust auf ein richtiges Eis im Hörnchen. Da es bereits nach 17 h ist, hat der angepeilte Laden am heutigen Samstag bereits geschlossen. Jetzt bleibt nur noch das Eis von der Stange aus der Kühltruhe der nächsten Tankstelle, aber es schmeckt mir nicht so recht. Jetzt muss ich nur noch alles anständig verpacken. Der Wetterbericht für Adelaide verspricht für den Sonntag bis zu 18°Grad und Sonnenschein. 

Webadressen:
https://www.centralaustraliantourism.com/Sights_To_See/East_MacDonnell_Ranges/
https://en.wikipedia.org/wiki/Olive_Pink_Botanic_Garden
https://www.reptilecentre.com.au/
Wetter: wolkenlos, bis 33°Grad
Gefahrene km: 162


East MacDonnell N.P. > Emily Gap

 Paddymelons


East MacDonnell N.P. > Coroboree Rock



Alice Springs > Olive Pink Botanic Garden




 Dornenteufel

 
13.05.2012 > Alice Springs – Adelaide <
Irgendwie habe ich Schlafprobleme, bin ich zunächst todmüde, werde ich kurz vor Mitternacht schlagartig wach und kann nicht mehr einschlafen. Der Wecker klingelt um 7 h und nach einem letzten selbstgestrickten Frühstück packe ich alle Überreste zusammen. Alles, was ich nicht mit auf den Flug nehmen will, lasse ich im Hotelpavillon, dort finden sich immer dankbare Abnehmer. Bei der Schlüsselrückgabe zahle ich die Hotelrechnung und mache mich auf den Weg Richtung Flughafen. Erneut ist der Himmel über Alice Springs strahlend blau und wolkenlos. Das Auto gebe ich zurück mit dem Kilometerstand von 23169 km, damit habe ich 6609 km auf Australiens Straßen hinter mich gebracht. Das Auto wird inspiziert, keine Macken vorhanden,  und ich zahle die one-way-charge in bar. Was mal wieder nicht in den Katalogen steht, hinzu kommen Flughafengebühr, Verwaltungsgebühr der Regierung sowie die Mehrwertsteuer, letztendlich erhöht sich die Einwegmiete von 900$ auf insgesamt 1141,28$, die Differenz geht über die Kreditkarte.

Bei Qantas ist die zusätzliche Tasche mit den Hüten überhaupt kein Problem, es wird nicht mal auf dem Boardingpass vermerkt. Auch darf ich meine gefüllte Wasserflasche mit in den Flieger nehmen. Die Reisetasche hatte ich mit allem gefüllt, was ich frühestens in Adelaide wieder benötige, so kommen 21 kg zusammen. QF 722 ist eine Boing 737-800, die Fluggäste laufen zu Fuß über das Flugvorfeld und steigen dort mittels Treppe in den Flieger ein. Erneut habe ich einen Fensterplatz in einer Dreierreihe und obwohl der Flieger ziemlich voll ist, bleibe ich in dieser Reihe allein. Der Flug startet pünktlich um 12:35 h und kommt nach exakt 2 Stunden in Adelaide an. Aus der Luft sind Teile der inneraustralischen Wüsten zu erkennen sowie große Salzseen. Unterwegs wird ein Sandwich sowie ein Apfel gereicht, dazu Softdrinks kalt oder warm.

Über Adelaide liegt eine dicke Wolkendecke, es hat auch wohl geregnet und schattig ist es nach den Temperaturen im Red Centre. Es gibt keine Möglichkeit, mit einem Busshuttle nach Adelaide Port zu gelangen, außer ich fahre erst in das Stadtzentrum und dann mittels Taxi weiter. Das ist mir entschieden zu umständlich mit dem ganzen Gepäck und ich ordere gleich ein Taxi. Im Verhältnis zu Perth ist die zu fahrende Strecke erheblich länger, aber auch wesentlich günstiger. Mit Begeisterung stelle ich fest, dass es Richtung Küste ganze Alleen mit meinen australischen Lieblingsbäumen gibt, der Norfolk Pine > araucaria heterophylia. Die Bäume sind alle so um die 25 m hoch. Seit Jahren versuche ich in Deutschland, so einen Baum zu kaufen. Gesehen habe ich sie in Europa bereits in Andalusien, nur ihrer habhaft werden kann ich nicht.

Bei meinem Privatquartier ist ein Zettel an der Tür befestigt, die Gastgeber werde ich nicht kennenlernen, weil abwesend. Frühstück haben sie für mich eine Querstraße weiter arrangiert mittels Gutscheinen. Ansonsten steht mir fast ein ganzes Haus zur Verfügung mit einer erstklassigen Einrichtung. Ein großes Schlafzimmer mit einem riesigen Doppelbett sowie Bad und Garderobenkammer. Das Wohnzimmer ist mit 2 großen Ledercouchen, Fernseher und was ich gleich in Anspruch nehme, einem Gaskamin, ausgestattet. Daran an schließt sich eine Essecke und eine Kochnische mit Wasserkocher, Toaster, Mikrowelle und Kühlschrank. Die Böden sind teils gefliest und mit Teppichen belegt, im Schlafraum liegt dicker Teppichboden. Der Preis für diese ganzen Wohltaten ist mit umgerechnet 68,17€ pro Nacht nun wirklich nicht teuer zu nennen.

Die See wird durch den Yachthafen verdeckt, dort laufe ich zuerst hin, um in einem bereits zu Hause entdeckten Restaurant für den letzten Abend, heißt Montag, einen Tisch zu bestellen. Ein Bottleshop hat geöffnet und angesichts der moderaten Temperaturen entscheide ich mich für eine Flasche Shiraz von Murray aus dem McLarenVale (das ist hier gleich um die Ecke) mit satten 13,8%, die ich im Quartier erst mal atmen lasse. Zur anderen Seite liegt ein Shoppingcenter, wo ich gerade noch vor Ladenschluss etwas Obst und ein Stück Camembert zum Abendessen heute ergattere, die Preise sind ja nach den Outback-Erfahrungen so was von günstig! Direkt hinter den Läden verläuft die Vorort-Bahnstrecke, die mich in das Zentrum von Port Adelaide bringt. Eine Fahrt von etwa einer halben Stunde kostet die Kleinigkeit von 2,30$, das Ticket ist 2 Stunden gültig und muss im Zug per Automat und Münzen erworben werden. Das haben mir ein paar Kids, die dort auf den nächsten Zug warteten, verraten. Zurück im Quartier erfreue ich mich an den Flammen des Gasofens und fläze mich auf einer Couch. Besser geht es mir zu Hause auch wohl kaum als jetzt hier.
Webadressen:
https://www.adelaidebedandbreakfast.com/home
Wetter: Alice Springs: wolkenlos, 22°Grad, Adelaide: bedeckt, 17°Grad

Gefahrene km: 15


 Adelaide

 Norfolk Pine

 
14.05.2012 > Adelaide <
Nach einer gut geschlafenen Nacht habe ich heute alle Zeit der Welt. Der hinterlegte Gutschein beschert mir ein Frühstück wie ich es liebe, mit Eiern und Speck. Die 10 Minuten zum Bahnhof sind schnell gelaufen und in Granville verlasse ich die Metro-Rail, um zum Semaphore zu laufen. Unterwegs erstehe ich in einer Drogerie endlich die praktischen antiseptischen Päckchen, die mir in Kununurra so gut geholfen haben. Port Adelaide ist das Zentrum südaustralischer Seefahrtsgeschichte und beherbergt in der Innenstadt noch viele koloniale Gebäude. Der Semaphore ist so was Ähnliches wie ein alter Leuchtturm. Daran an schließt sich ein Jetty, der etwa 500 m ins Meer gebaut ist. Auf dem Rückweg zum Bahnhof falle ich über einen Blumenladen, der auch Sämereien verkauft; natürlich kann ich an einem Päckchen australischer Wildblumen nicht vorbei kommen. Letztendlich beschließe ich, in das Zentrum von Port Adelaide zu laufen. Es geht dabei über eine ziemlich hohe Klappbrücke. Im Visitor Centre versuche ich Informationen zu bekommen, wie ich kostengünstig den Flughafen erreiche. Was mir dort erklärt wird, ist mir aber viel zu mühsam, da müsste ich mit Sack und Pack durch halb Adelaide laufen.

Da mich Port Adelaide nicht unbedingt anspricht und ich auf das Maritime Museum auch nicht so richtig Lust habe, entschließe ich mich, in die Innenstadt weiter zu fahren. In der Metro konnte man auch Day Tickets lösen, das ist günstiger und spart einem die ständige Kleingeldsuche. Kurz vor der Endstation kommt der Zug an einer riesigen Baustelle vorbei, daran steht, dass dort das Krankenhaus der Zukunft gebaut wird. In der Innenstadt gibt es bereits den riesigen Komplex des Royal Adelaide Hospital, vielleicht ziehen die ja irgendwann um, obwohl das noch ziemlich modern aussieht, außerdem liegt es neben der Universität von South Australia. Dies ist mein dritter Aufenthalt in Adelaide und ist staune immer wieder, wie sehr sich die Stadt in diesen 4-Jahres-Rhythmen wandelt.

Adelaide ist mit jetzt 1,2 Mio. Einwohnern die Hauptstadt von South Australia und wurde 1837 gegründet. Benannt wurde die Stadt nach der Frau des britischen Königs William IV, die als Adelheid von Sachsen-Meiningen auf die Welt kam. Die Stadt hat ein gewisses Flair, kann sich aber keinesfalls mit den anderen Metropolen wie Melbourne, Perth oder gar Sydney messen. Das zeigt sich auch an den internationalen Flugverbindungen, z.B. fliegt Qantas die Verbindung Adelaide – Singapore nur jeden 2. oder 3. Tag. Es wird an vielen Stellen eifrig gebaut und die Fußgängerzonen sind blitzblank. Überall stehen Boxen mit Tüten für Hundetretminen, wer die Hinterlassenschaften seines Vierbeiners nicht sofort aufsammelt und entsorgt, wird mit Geldstrafen ab 125$ aufwärts bestraft; finde ich gut.

Mein erster Anlaufort ist Haigh’s, das ist die absolute Adresse für Schokolade in Adelaide, die sich durchaus mit Leysieffer messen kann. In Erinnerung waren mir Pralinen mit Shirazgeschmack und es gibt sie noch; 100 g kosten die Kleinigkeit von 12$. 6 Pralinen erwerbe ich, 86 g > 10,30$, die werden mir zu Hause auf der Zunge zergehen. In einem Internet-Cafe docke ich kurz meinen Stick an und rufe die Mails ab. Aufgrund der Tatsache, dass ich in meinem Quartier wegen der Abwesenheit der Gastgeber kein Internet habe, geht es auch so; für 2$ ist das absolut günstig. Ich kaufe noch einige Kleinigkeiten, die es in Deutschland nicht gibt und steure mein Hauptziel an, den Botanischen Garten. 2004 besuchte ich ihn Anfang April, damals blühte alles in voller Pracht. Jetzt wirkt er schon sehr herbstlich auf mich. Vor allem völlig paradox, hier verlieren die Platanen ihr Laub, während vor meinem Bürofenster zu Hause die gleichen Bäume grün werden. Bis auf Boabs sind hier wirklich alle australischen Bäume und noch mehr vertreten. Wahre Riesen wachsen hier, entsprechend ist teils das Alter.

Im City-Visitor-Centre bekomme ich einen Tipp bezüglich eines Shuttle zum Flughafen. Auf dem Rückweg zum Bahnhof falle ich im hochnoblen Stamford Plaza Hotel beim Concierge ein (erinnert mich an diverse Filme mit Michael J. Fox, Hector Elisondo, wo solche Leute alles können) und siehe da, es gibt einen Airport-Shuttlebus, der um 12:07 h in einer halben Stunde für 10$ zum Flughafen fährt. Auch wenn ich kein Hotelgast bin, ist es möglich, hier eine Reservierung zu bekommen. Wir stimmen den Zug (der Bahnhof liegt gegenüber) ab und ich bin herzlich eingeladen, die Ankunft des Busses Morgen in der Hotellobby abzuwarten; wenn das kein Service ist. Am Ufer des Torrence River schaue ich mir nochmals die hier heimischen schwarzen Schwäne an, um dann mit der nächsten Metro Richtung Osborne zu fahren. Insgesamt habe ich wohl rund 15 km zu Fuß zurückgelegt, das Abendessen sollte ich mir damit verdient haben. Danach muss ich mich endgültig um meine Siebensachen kümmern.
Webadressen:
https://en.wikipedia.org/wiki/Port_Adelaide
https://de.wikipedia.org/wiki/Adelaide
Wetter: bedeckt, bis 22°Grad


Adelaide > botanischer Garten


Adelaide >
Torrence River

 
15. – 16.05.2012 > Adelaide – Singapore – Frankfurt – Lengerich <
Das gestrige Abendessen war nur einfach lecker. Entschieden habe ich mich für Rib Eye Steak im Gewicht von 300 g schön medium gebraten. Das Teil war so groß wie der Handteller eines großen Mannes und ca. 2 cm dick und dabei butterzart. Dazu habe ich mir einen Riesling aus dem Clare Valley von Jim Barry gegönnt. Als Dessert lockt mich französischer Käsekuchen mit 2 merkwürdigen Waffeln voll Creme. Auf Kosten des Hauses gab es dazu einen Schnaps unbekannter Sorte. Im Quartier ist mir der restliche Shiraz nicht mehr so recht durch den Hals gelaufen.

Beim Frühstück heute früh stellt sich heraus, dass der Bistro-Betreiber ein Spätaussiedler aus Bremen ist. Mit Sack und Pack laufe ich zur Metro und lasse mich anschließend in der Lounge vom Stamford Plaza häuslich nieder. Der Shuttle-Bus ist absolut pünktlich und nach halbstündiger Fahrt ist bereits Adelaide Airport erreicht. Unterwegs staune ich im Vorbeifahren über ein Geschäft von Ikea, wusste gar nicht, dass die Australier auf schwedische Möbel stehen.

Beim Einchecken gibt es erneut wegen der 2. Tasche keinerlei Probleme, da sie so gut wie nichts wiegt und jetzt angeblich 2 Stücke Handgepäck erlaubt sind. Da blicke noch wer auch immer durch. Meine Tasche wiegt exakt 21 kg, als ich diskret erwähne, eine Flasche Portwein > Galway Pipe in der Tasche zu haben, wird diese sogar mit einem „zerbrechlich“-Anhänger versehen. Bei den Customs beantrage ich die Rückerstattung der MWST (GST heißt das hier), das geschieht über die Kreditkarte, innerhalb von 10 Tagen soll das Geld da sein.

QF 081 von Qantas ist ein Airbus A 330 und ich habe einen Fensterplatz. Der Flug geht pünktlich um 15 h raus und wir überqueren Australien in voller Breite. Dabei wird sogar auf den Uluru hingewiesen, den man gut erkennen kann. Ich schaue mir einen Film mit Jennifer Aniston an „Umständlich verliebt“ und danach einen Dokumentarfilm über Buck Branaman, das ist der Pferdemann, der u. a. bei dem Film „Der Pferdeflüsterer“ mit Robert Redford geholfen hat. Die letzte Landsicht ist zwischen Broome und Derby; so schließt sich der Kreis.

In Singapore geht es um 23:20 h mit QF 005 weiter. Auch diese Maschine startet pünktlich in den Nachtflug gen Frankfurt. Ausgebucht bis zum letzten Platz ist in der Economy mit dabei das australische Olympiateam im Rudern auf dem Weg nach London. Die Jungs tun mir richtig leid, das sind fast alles muskelbepackte 2 m-Typen und dann die ganze Zeit in für diese Maße doch beengten Sitze zu müssen, aber supernett und freundlich sind sie. Als Film schaue ich mir „R.E.D.“ mit Bruce Willis, Hellen Mirren, John Malcovich usw. an, gefällt mir gut. Weniger gut gefällt mir der Film „The Grey“, bei uns wird er unter dem Titel „Unter Wölfen“ herauskommen, mit Liam Neeson, der ist mir zu traurig und brutal. Vor dem Dinner wird mir eine Checkliste überreicht, ich wurde ausgesucht, an der Airline-Bewertung teilzunehmen. Der Flug verläuft nicht so bockig wie auf dem Hinweg und um kurz nach 6 h ist Frankfurt erreicht. Sofort fällt die absolute Unfreundlichkeit der deutschen Passkontrolleure negativ auf. Es ist schon fast peinlich, wie die die nichtdeutschsprachigen Ausländer abkanzeln und auf Deutsch anfauchen. Wenn das nicht bei jeder Rückkehr das gleiche Theater wäre, hätte ich schon längst mit dem Gedanken an eine Dienstaufsichtsbeschwerde gespielt. Um diese frühe Zeit kommt nur noch ein weiterer Flug im Terminal 2 an. Trotzdem dauert es mehr als 1 Stunde, bis endlich das Gepäck kommt. Die müssen wohl jeden Koffer einzeln aus dem Flieger getragen haben. Um 7:20 h sitze ich endlich im Auto gen Heimat. Wieder sind 4 Wochen Urlaub rum und die Wirklichkeit holt mich auf der Autobahn ein. Auf dem etwa 300 km langen Stück über die A 5, 45 und 1 höre ich bei 50 auf, die Baustellen zu zählen.
Wetter:
Adelaide: wolkenlos, bis 22°Grad; Singapore: wolkenlos, 28°Grad; Frankfurt: nieselig, 9°Grad


 
Airbus A 330


Reiseroute


 

Zu dieser Reise gibt es einen Film auf DVD
mit einer Laufzeit von 1:32 h!